9.9.: Unverhältnis von Literatur und Kronen Zeitung - von Franz Josef Czernin

14. September 2004, 15:53
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Generell sind Literatur und Zeitung Antithesen, die sich in keiner Synthese versöhnen lassen. Auch wenn das heute kaum jemand wahrhaben will: Alle Belege, die Karl Kraus dafür erbracht hat, sind immer noch gültig.

Es gibt aber noch etwas Schlimmeres als ein unauflösbar antithetisches Verhältnis, ich weiß kein Wort dafür, aber man kann sich das, was gemeint ist, an einem Beispiel leibhaftig vor Augen führen: Es ist die völlig unsinnige Unbeziehung, das Unverhältnis von Literatur und Kronen Zeitung.

Nun schreibt in dieser Zeitung, die ein einziger Ausbund an [...] (Auslassung auf Empfehlung unserer Rechtsabteilung, Anm. red.) ist, nicht nur der Herausgeber des "Austrokoffers", Günther Nenning, sondern diese Zeitung bewirbt jenen Koffer auch noch, sie ist auch noch sein Mäzen. Es ist mir also auch, unabhängig von dem peinlichen Namen Austrokoffer, dem mit ihm verbundenen, lächerlich- großspurigen kulturpatriotischen Gehabe und Getue, und auch unabhängig von urheberrechtlichen Fragen, nicht möglich, meine Texte einem solchen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2004)

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