"Abwatschen ist kontraproduktiv"

19. September 2004, 19:11
12 Postings

Das Vorgehen von Regierung und ÖIAG sei "extrem schädlich", sagt Aktionär Mirko Kovats im STANDARD-Interview

STANDARD: Die Staatsholding hat angekündigt, bei der Kapitalerhöhung der VA Tech mitzuziehen. Die Regierung hat Ihrem Gesprächspartner Siemens signalisiert, einen allfälligen Einstieg nicht zu goutieren. Was sagen Sie dazu?

Kovats: Ich verstehe viele Äußerungen nicht, sie sind offenbar dem Temperament der Politiker zuzuordnen. Das Abwatschen eines Investors halte ich aber für kontraproduktiv und extrem schädlich für den Kapitalmarkt. Die Konsequenzen dieser Vorgänge sind verheerend, denn weder die ÖIAG hat die Mehrheit in der VA Tech, noch Kovats. Auf die Mehrheit der Aktionäre, also 73 Prozent, nimmt niemand Rücksicht. Und die Aktie verliert an Wert.

STANDARD: Was bedeutet das angekündigte Mitziehen der ÖIAG für Ihre Strategie in der VA Tech? Ändert sich etwas?

Kovats: Nein. Aber das Mitziehen der ÖIAG wirft viele Fragen auf. Auf jeden Fall sind die Paktfähigkeit und die Zusagen der ÖIAG zu hinterfragen. Auch stellt sich die Frage, ob die Hauptversammlung (am 21. September, Anm.) überhaupt noch Sinn macht.

STANDARD: Sie haben die vom Vorstand beantragte Kapitalerhöhung, die am 21. September beschlossen werden soll, bis jetzt für gut befunden und mehrfach betont, junge Aktien zeichnen zu wollen. Laut Vorstand braucht das Unternehmen die Kapitalaufstockung. Was hat sich daran geändert?

Kovats: Für die Kapitalerhöhung ist das Management verantwortlich. Das Management ist gut, es hat mein Vertrauen. Es stellt sich aber schon die Frage, ob eine Kapitalerhöhung bei dieser Negativ-Publicity überhaupt den gewünschten Erlös bringt, sie wird vermutlich schwer durchzubringen sein.

STANDARD: Das heißt, Sie sind jetzt dagegen?

Kovats: Nein, heißt es nicht. Aber die Rahmenbedingungen sind jetzt andere. Wie jetzt vieles fraglich ist. Das VA-Tech-Management zum Beispiel geht zu einer Krisensitzung ins Finanzministerium - das ist doch peinlich! Und auch aktienrechtlich bedenklich. Aber das Aktienrecht wird in Österreich sowieso mit Füßen getreten, keiner schert sich darum.

STANDARD: Ist Ihr Vertrauen zum Management jetzt angeknackst und wie geht es jetzt weiter?

Kovats: Das Management hat mein volles Vertrauen. Wie es weiter geht, weiß ich nicht.

Zur Person

Mirko Kovats (55) ist geschäftsführender Gesellschafter des Maschinenbauers ATB und über A-TecIndustries an ATB, Emco und Austrian Energy beteiligt. Über die Victory Industriebeteiligung AG hält er 12,53 Prozent an VA Tech.

Das Gespräch führte Luise Ungerboeck.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mirko Kovats: "Das Aktienrecht wird in Österreich mit Füßen getreten."

Share if you care.