Späte Bergung von Artmanns Schätzen

13. September 2004, 17:52
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Stadt Wien kauft des Dichters Nachlass - Den ersten Lyrikpreis zum Andenken an Artmann erhält Peter Waterhouse

Wien – Die Wiener Stadt- und Landesbibliothek hat den literarischen Nachlass des österreichischen Dichters H.C. Artmann (1921–2000) erworben. Der Kaufpreis wurde gestern anlässlich einer Pressekonferenz mit 140.000 Euro beziffert. Bibliotheksdirektorin Sylvia Mattl-Wurm bestätigte das Einholen zweier Schätzgutachten. Preislich habe man sich "in der Mitte getroffen".

Zum Andenken an ihren Breitenseer Weltbürger stiftet die Stadt zudem einen Lyrikpreis (10.000 Euro), der alle zwei Jahre vergeben wird. Den ersten "H.C.-Artmann-Preis" erhält Peter Waterhouse.

Witwe Rosa Pock-Artmann umriss die Konturen eines zu Lebzeiten Artmanns vom Auseinanderfallen bedrohten Schatzes. Der Dichter sei ein Reisender ohne Besitz gewesen – "abgesehen von seinen Büchern". Er habe keinen Wert darauf gelegt, Aufzeichnungen zu sammeln, viele Manuskripte seien nicht erhalten: "Es war weniger Schlampigkeit als eine demütige Haltung, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt."

Artmanns wesentlichste Sorge sei aber gewesen, was mit seiner Bibliothek passiere: "Er träumte von einem Waisenhaus für Bücher." Kernstück des Nachlasses ist die aus 4000 Büchern bestehende Bibliothek, die als Ganzes aufgestellt werden soll. Sie dokumentiere Artmanns Interesse an literarischen Traditionen und Sprachen – so sind über 70 Lehrbücher meist ausgefallener Sprachen enthalten – , seine Vorliebe für das Mittelalter, nordische Mythologie, die Kultur der Kelten, für Sciencefiction und Kolportage. Neben der Bibliothek umfasst der Nachlass Manuskripte: Insgesamt beläuft sich das Konvolut auf 17.000 Einzelblätter. (poh, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2004)

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