Saufen bis zum tödlichen Ende

16. September 2004, 14:27
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Wie sich die ethnische Herkunft auf Suchtverhalten auswirkt - Lokalkolorit bei Suchtmitteln festgestellt

Wien - "Die USA sind ein Musterbeispiel dafür, was man nicht tun soll. Das Drogenproblem ist dort seit fast 100 Jahren dauernd schlimmer geworden", prangert der US-Suchtexperte Robert Newman anlässlich der Eröffnung des Kongresses "Ethnizität und Sucht" an. Besonders ethnischen Minderheiten würde der Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten schwer gemacht, worunter dann "die ganze Gesellschaft leidet".

Regionale Unterschiede

Wonach Minderheiten süchtig sind, warum sie abhängig werden und wie man sie am besten behandelt ist aber ein relativ wenig erforschtes Gebiet. Deutliche regionale Unterschiede können aber auf manchen Gebieten festgestellt werden: So wird in den Niederlanden Heroin nur von 20 Prozent der Abhängigen injiziert, 80 Prozent rauchen das Suchtmittel, berichtet der deutsche Suchtforscher Michael Krausz. In Österreich benutzen dagegen mindestens 50 Prozent der Junkies eine Spritze.

"Lokalkolorit bei Suchtmitteln"

Dass es "offenbar so etwas wie einen Lokalkolorit bei Suchtmitteln gibt", bestätigt auch der Wiener Kinder- und Jugendpsychiater Max Friedrich. "Migrantenkinder passen sich aber an, diese Adaption erfolgt relativ rasch", gibt er sich überzeugt. In Österreich etwa an den Alkohol, der aufgrund fast freier Verfügbarkeit und hoher öffentlicher Akzeptanz hierzulande auch das höchste Risiko birgt.

Bei illegalen Suchtmitteln ist die Einschätzung wegen der fehlenden Daten schwieriger, wie auch ein Bericht der europäischen Beobachtungsstelle für Drogen zeigt. In Österreich gibt es keinerlei systematische Erhebung zum Bereich Drogen und ethnische Minderheiten, dafür "viele Gerüchte", wie die Untersuchung festhält.

Hauptproblem sind Sprachbarrieren

Was auch an fehlenden Mittel liegt, wie Alfred Uhl vom Wiener Anton-Proksch-Institut betont. Der Geldmangel mache auch entsprechende Behandlungsangebote für Suchtkranke aus anderen Kulturen schwierig. "Das Hauptproblem sind Sprachbarrieren, aber auch kulturelle Unterschiede", meint er.

Überdosis Alkohol

Das größte Problem sieht auch Uhl im Alkohol, dessen Gefahr in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt werde. Denn jährlich würden 100 Menschen an einer Überdosis Alkohol, also an einer Vergiftung nach exzessivem Trinken, sterben. Bei illegalen Suchtmitteln seien es nur etwa 25 Personen jährlich. Dazu kommen beim Alkohol noch die Toten durch Langzeitfolgen und Unfälle, insgesamt gehen 8000 Tote pro Jahr auf das Konto von Bier, Wein und Co. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2004)

Was man von anderen Kulturen auf dem Gebiet der Suchtbehandlung lernen kann, debattieren derzeit Experten bei einem Kongress in Wien.
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    Statistisch sterben über 100 Menschen jährlich an einer Überdosis Alkohol, durch Vergiftung nach exzessivem Trinken

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