VA Tech - Siemens hat Übernahmeplan vorerst begraben

15. September 2004, 13:10
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ÖIAG rechnet nicht mehr mit Angebot - VA Tech-Aktie auch heute stark unter Druck - Spekulationsblase geplatzt, gut 100 Mio. Euro Börsenwert weg

Ein Übernahmeoffert des deutschen Siemens-Konzerns für den teilstaatlichen Linzer Anlagenbauer VA Tech ist vorerst vom Tisch. Nach massivem Widerstand in Österreich hat Siemens am Mittwoch, die Bereitschaft zum Rückzug signalisiert. Ein feindlicher Takeover wäre nie in Frage gekommen, hieß es aus München. An der Börse rutschte die VA Tech-Aktie um fast 8 Prozent weiter ab, schon gestern hatte das Minus gut 7 Prozent betragen. Ebenso wie der Markt rechnet auch die staatliche ÖIAG nicht mehr mit einem Angebot.

Keine Überraschung

Die heutige Reaktion von Siemens kam nicht überraschend. Am Vortag hatte die Regierung im Abwehrkampf des Vorstands und der Belegschaft gegen eine mögliche Übernahme (samt befürchteter Zerschlagung) durch Siemens aktiv eingegriffen und den deutschen Elektro-Multi vor einem feindlichen Angebot gewarnt. Finanzminister Karl-Heinz Grasser sagte, Siemens passe nicht zu VA Tech. Er ging davon aus, dass Siemens diese Signale richtig interpretiere und kein Offert legen werde.

Aufgerüstet

Konkret hatte der Ministerrat die ÖIAG, die bei der VA Tech mit 15 Prozent den größten Aktionär stellt, gestern mit einem abgeänderten Privatisierungsauftrag aufgerüstet, um die Staatsholding bei einem feindlichen Übernahmeversuch beweglicher zu machen. Der neue Auftrag ermöglicht der ÖIAG ein Mitgehen bei der geplanten Kapitalerhöhung, über die am 21. September in einer Hauptversammlung der VA Tech entschieden werden soll. Damit kann die ÖIAG ihren jetzigen Anteil ohne Verwässerung weiter halten und als Großaktionär an Bord des größten österreichischen Technologiekonzerns bleiben.

Schon in den heutigen Morgenstunden hatte die VA Tech-Führung um Konzernchef Klaus Sernetz Siemens zu einer klaren Stellungnahme nach den gestrigen Ereignissen aufgefordert. Am späten Vormittag rangen sich die Münchener zu ersten Statements durch, nachdem noch gestern eisern geschwiegen wurde. "Es macht keinen Sinn, an weiteren Modellen zu basteln, wenn die Botschaft ist: 'Wir wollen das nicht'", sagte ein Siemens-Sprecher heute. "Uns war immer klar: Das geht nur im Einvernehmen mit den Beteiligten."

Ganz vom Tisch

Ganz vom Tisch sieht man bei Siemens das Thema VA Tech freilich noch nicht. Bevor die Übernahmepläne endgültig auf Eis gelegt werden, wollen sich die Münchener in Wien von der Regierung bestätigen lassen, ob ein Einstieg von Siemens tatsächlich auf politische Ablehnung stößt. "Wenn dem definitiv so wäre, ist VA Tech für uns in die Akten gelegt." Nach dem erst vor einigen Monaten gescheiterten Kauf von Teilen des französischen Alstom-Konzerns müsste Siemens dann zum zweiten Mal in Folge Akquisitionspläne begraben.

"Wir glauben, dass ein Übernahmeangebot von Siemens gemeinsam mit Herrn Kovats nicht mehr in Frage kommt", sagte ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis im ORF-Radio. "So wie wir die Erklärungen (von Siemens) lesen, interpretieren wir es als Abkehr von den Übernahmeplänen", sagte eine VA Tech-Sprecherin in einer ersten Stellungnahme. Konzernbetriebsratschef Anton Beneder, der gestern mit Betriebsversammlungen an den VA Tech-Standorten Linz, Wien und Weiz gegen diese Pläne sowie mit Protesten vor der Siemens-Konzernzentrale in München mobil gemacht hatte, wollte lediglich mit den Worten zitiert werden: "Sollte die Entscheidung kommen, bin ich froh darüber."

Die Luft draußen

Beim Aktienkurs der VA Tech ist indes - ähnlich wie jüngst bei der Telekom Austria nach der geplatzten Fusion mit Swisscom - die Luft draußen. War der Titel, zuvor von Spekulationen über ein mögliches Offert von Siemens (und dem Industriellen Mirko Kovats) hochgetrieben, bereits gestern mit einem Kursminus von gut 7 Prozent stark unter Druck gestanden, setzte sich die Talfahrt auch am Mittwoch fort. Bis zum Nachmittag ließen massive Verkäufe bei äußerst volatilem Handel den Kurs um knapp 10 Prozent auf ein Tagestief von 45,15 Euro weiter in den Keller rasseln. Gegen 16 Uhr lag die Aktie mit 47 Euro noch immer rund 6 Prozent unter dem Vortagesschluss.

Damit fiel innerhalb von nicht einmal zwei Handelstagen aktuell ein Börsenwert von mehr als 100 Mio. Euro weg. Rund ein Achtel der gesamten Marktkapitalisierung der VA Tech (auf Basis des Montag-Schlusskurses von 53,78 Euro) hat sich kurzfristig in Luft aufgelöst. (APA)

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