Hoffmann wird Intendant der Ruhrfestspiele

17. September 2004, 12:09
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Luxemburger Dramatiker folgt Castorf nach und soll Stammpublikum zurückgewinnen

Recklinghausen - Der Dramatiker Frank Hoffmann aus Luxemburg ist neuer Intendant der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Der 50-jährige Intendant des Théâtre National du Luxembourg soll zunächst in der Nachfolge von Frank Castorf als Interims-Festspielleiter bis 2006 arbeiten. "Er soll das Stammpublikum zurückgewinnen und zusätzlich vor allem junge Menschen durch eigene Programme interessieren", sagte Aufsichtsratsvorsitzende Inge Sehrbrock vom Deutschen Gewerkschaftsbund am Mittwoch bei der Bekanntgabe der Entscheidung.

Intendanz vorläufig bis 2006

Nach dem Zuschauereinbruch unter Castorfs Leitung in diesem Jahr hätten die Ruhrfestspiele eine finanzielle Altlast zu tragen, die noch nicht genau zu beziffern sei, betonte Sehrbrock. "Daher werden die Ruhrfestspiele im kommenden Jahr mit einem erheblich geringeren Etat auskommen müssen." Bisher war das Defizit mit über 700.000 Euro beziffert worden. Hoffmann solle das Festival nun auf jeden Fall bis zum 60-jährigen Bestehen im Jahr 2006 führen. "Dann kann er sich auch wieder bewerben", meinte Sehrbrock.

Festival in Recklinghausen verwurzeln

"Man muss sich zu Hause fühlen, aber der Welt begegnen", beschrieb Hoffmann sein Motto für die Leitung der Ruhrfestspiele. Das seiner Einschätzung nach "wichtigste deutsche Festival" könne nur Erfolg haben, wenn es in Recklinghausen verwurzelt sei. "Allerdings sollen hier auch neue Autoren neue Stücke entwickeln." Dabei werde es auch einen Genre-Mix von Tanz, Musik und Theater geben. Das Festival müsse sich auch international öffnen, betonte der neue Intendant.

Dabei wolle er aber keinesfalls die Tradition des ehemaligen Ruhrfestspiel-Intendanten Hansgünther Heyme, der ein "Europäisches Festival" kreiert hatte, nahtlos fortsetzen. Hoffmann war von Heyme bereits mehrfach zu den Ruhrfestspielen eingeladen worden. Zuletzt zeigte das Luxemburger Theater Thomas Bernhards "Theatermacher" in der Inszenierung Hoffmanns bei den Ruhrfestspielen 2003.

Juristische Auseinandersetzungen um vorzeitige Entlassung Castorfs laufen noch

Unter der Leitung des Berliner Volksbühnen-Intendanten Castorf hatte sich die Zuschauerzahl der Ruhrfestspiele in der Saison 2004 auf rund 22.000 mehr als halbiert. Die juristischen Auseinandersetzungen um die vorzeitige Entlassung Castorfs, der einen Vertrag bis 2007 hatte, sind noch nicht abgeschlossen. "Wir haben ein Schiedsverfahren vereinbart und sehen dem sehr gelassen entgegen", betonte Sehrbrock. (APA/dpa)

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