Drei junge Innviertler nach Verbotgesetz schuldig gesprochen

10. September 2004, 20:25
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"Heil Hitler"-Rufe in und vor einem Bierzelt - Urteile noch nicht rechtskräftig

Linz - Drei junge Innviertler wurden am Mittwoch wegen des Verdachtes des Verbrechens nach dem Verbotsgesetz in einem Geschwornenprozess im Landesgericht Ried im Innkreis schuldig gesprochen. Einer von ihnen wurde zu einer unbedingten Geldstrafe verurteilt und alle drei zu bedingten Haftstrafen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Das Trio - zwei Arbeitslose im Alter von 18 und ein 23-jähriger Lkw-Fahrer - hatte laut Anklage in einem Bierzelt "Sieg Heil" und "Heil Hitler" gerufen und wurde deshalb aus dem Zelt gewiesen. Draußen setzten die drei ihre Sprechchöre noch rund 20 Minuten fort, schilderte einer der Zeugen in der Verhandlung. Die Verantwortung der Angeklagten: Sie seien wegen ihres Haarschnittes als "Nazis" bezeichnet und somit "provoziert" worden. Daraufhin hätten sie ihrerseits "provozieren" wollen, die dabei gewählte Wortwahl entspreche jedoch nicht ihrer Gesinnung. Der Ältere soll sich laut Zeugenaussagen als "Anführer" in Szene gesetzt haben, was dieser bestritt. Die beiden anderen erklärten, sie wüssten gar nicht, worum es bei dem "Auftritt" gegangen sei.

Doch die drei sind ein weiteres Mal aufgefallen. Auch bei der Mai-Dult in Passau sollen sie derartige Sprechchöre intoniert haben. Einer der jungen habe zudem CDs mit einschlägigen Liedern bei einem Versand bestellt und sie "im kleinen Kreis" vorgespielt. Auch verschiedene Sachbeschädigungen - darunter auch am Eigentum von Ausländern - wurden den beiden jungen Angeklagten zur Last gelegt. Der Ältere ist schon wegen Körperverletzung vorbestraft. Er hat zudem am Handrücken Tätowierungen, die für "Insider" eindeutig sind: Die Buchstaben "HASS" bedeuten demnach "Hitler Adolf SS". Die Zahl "88" steht jeweils für zwei Mal den achten Buchstaben im Alphabet und soll "Heil Hitler" symbolisieren.

Die Geschwornen sprachen alle drei schuldig: Den 21-Jährigen nach dem Verbotgesetz und wegen einer fahrlässigen Körperverletzung. Das Urteil: eine unbedingte Geldstrafe von 3.600 Euro und 18 Monate Haft bedingt auf drei Jahre. Die beiden Jüngeren wurden ebenfalls nach dem Verbotsgesetz sowie wegen Sachbeschädigung zu jeweils einem Jahr Haft bedingt verurteilt. Beide erhielten zudem die Auflage, Bewährungshilfe in Anspruch zu nehmen. Einer von ihnen auch, dass er sich eine Arbeit suchen müsse. Alle drei erbaten sich nach der Urteilsverkündung Bedenkzeit - somit noch nicht rechtskräftig. (APA)

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