TU Graz steigert Drittmittel-Einnahmen um 25 Prozent

22. September 2004, 18:09
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Gemessen an Forscherzahl "ein bisschen besser" als ETH Zürich - "Bremsen und Gas geben gleichzeitig" dominierte 2003/04

Graz - "Wir schaffen dieses Jahr aller Voraussicht nach mit einer budgetpolitischen Punktlandung ohne Minus", so der Rektor der Technischen Universität Graz, Hans Sünkel. In puncto budgetärer Situation sieht der seit knapp einem Jahr amtierende Rektor "keinen Anlass zur Zufriedenheit", auch wenn es im ersten Jahr der finanziellen Selbstständigkeit eine 25-prozentige Steigerung der Drittmittel gegeben hat. Damit erwirtschaftet sich die TU Graz rund 25 der insgesamt rund 91 Millionen Euro des Gesamtbudgets der Universität selbst, hieß es am Mittwoch im Grazer Pressegespräch.

Erschwerend zur engen Budgetsituation Ausgangssituation sei hinzugekommen, dass insbesondere die für Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften unverzichtbare Laborausstattung und Geräte, "in die Jahre gekommen" ist. "75 Prozent der Infrastruktur, die durch die ordentlichen Haushaltsmittel finanziert wurden, waren bereits abgeschrieben", schildert Sünkel die Situation. "Wir haben vier Millionen Euro im Jahr investiert, aber wir bräuchten 10 Millionen", so der Rektor, der dieses Ziel mit Hilfe noch stärkerer Drittemittel-Aktivitäten erreichen will.

Zwar sei man mit den bisher lukrierten jährlichen Drittmitteln im Bezug zu den vorhandenen Forschern "sogar ein bisschen besser als die ETH Zürich", die Einnahmen aus Forschungsaufträgen durch gemeinsame Projekte von Universität und Unternehmen will man bis Ende 2007 jedoch auf jährlich "locker 30 Millionen" steigern. Darüber hinaus will man künftig auch stärker Einnahmen aus Fundraising-Aktivitäten lukrieren.

"Bremsen und Gas geben gleichzeitig sowie Handeln statt Beklagen", so Sünkel, hätten die Arbeit des Rektorates im ersten Jahr nach dem neuen Universitätsgesetz UOG 02 geprägt. Das hatte zur Folge, dass auch beim Personal Sparsamkeit an der Tagesordnung stand. "Für eine akademische Institution, die den Puls der Zeit mitbestimmt, wäre es jedoch fatal, zukunftsträchtige Themenbereiche aus rein monetären Überlegungen vorschnell dem Rotstift zu opfern", so Sünkel. 2003/04 wurden 24 Berufungsverfahren erfolgreich abgeschlossen: Vier davon waren Vorziehprofessuren, rund die Hälfte normale Nachbesetzungen, der Rest Stiftungsprofessuren und Stellen die mit EU-Fördergeldern für junge Wissenschaftler geschaffen wurden".

Die Studiendauer will Sünkel bis 2012 von durchschnittlich 16 auf 12 Semester gesenkt sehen. Im Studienjahr 2003/2004 wurden an der TU Graz etwa 2.500 Lehrveranstaltungen abgehalten und fast 71.000 Prüfungen abgelegt. "Das Angebot ist ein unheimlich Breites", so Sünkel. Die Frage sei, ob es auch in adäquater Weise angenommen werde. Er könne sich vorstellen, dass in Zukunft "ein erheblicher Teil auch im Zweijahresrhythmus stattfinden könnte". Zentrale Ziele im Studienbereich blieben die Sicherstellung der Qualität der Lehre, die Verkürzung der Studienzeit sowie die Internationalisierung.

In der Forschung sieht Sünkel die Universität "am Weg ins internationale Spitzenfeld", wenn auch es noch "erhebliches Verbesserungspotenzial" gebe. An der TU Graz seien in den vergangenen Jahren im Jahresmittel ungefähr 1.400 Publikationen in referierten Zeitschriften veröffentlicht und etwa fünfzehn Erfindungen patentiert worden. "Die Situation der Patentanmeldungen ist alles andere als erfreulich", so der Rektor. Er wünsche sich rund 50 Patente pro Jahr. (APA)

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