Hoffnung auf Diabetes-Heilung

10. September 2004, 17:40
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Verabreichung von Insulin-produzierenden Beta-Zellen gesunder Spender soll es ermöglichen

Wien - Das ist ein Durchbruch in der Technik der Zell-Transplantation: Diabetes könnte durch die Verabreichung von Insulin-produzierenden Beta-Zellen von Spendern heilbar werden. Die Erfolgsraten dieser erst seit wenigen erprobten Methode sind bereits recht hoch, erklärte der US-Experte Dr. James Shapiro. Auch bei anderen Krankheiten wird heftig daran gearbeitet, versagende Organfunktion durch Zell-Ersatz zu behandeln.

Das Verfahren

Aus menschlichen Bauchspeicheldrüsen von hirntoten Spendern werden die Beta-Zellen gewonnen, welche das Insulin produzieren. Kranken ohne funktionierende körpereigene Insulin-Bildung erhalten diese Zellen einfach über einen Katheter in die Leber injiziert. Sie siedeln sich dort an und versorgen den Organismus wieder mit dem Stoffwechselhormon, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Allerdings müssen die Patienten danach Medikamente zur Verhinderung einer Abstoßung der fremden Zellen einnehmen.

Shapiro, dessen Team in Edmonton vor wenigen Jahren diesem Verfahren zum Durchbruch verhalf: "Weltweit wurden bisher 413 Insel-Zell-Transplantationen bei Diabetikern durchgeführt. In einem Zeitraum von zwölf Monaten benötigten 80 Prozent der Patienten kein Insulin mehr. An unserem Zentrum sind es sogar 85 Prozent. 75 Prozent der Behandelten haben lang andauernd weder einen zu hohen noch einen zu tiefen Blutzuckerpsiegel. Die HbA1c-Werte haben sich völlig normalisiert." Der HbA1c-Wert ist der wichtigste Maßstab für eine gute Blutzuckerkontrolle. Mit der herkömmlichen Insulintherapie per Injektionen sind die Pegel von Nicht-Diabetikern praktisch nicht zu erreichen. Die Zell-Transplantation sind dazu aber offenbar im Stande.

Wirkung noch nicht anhaltend

Allerdings gibt es mit dieser Technik weiterhin Langzeit-Probleme: Die transplantierten Beta-Zellen gehen offenbar langsam zu Grunde. Das kann auch daran liegen, dass die zerstörerischen immunologischen Abläufe, welche diese Zellen bei den Patienten im Laufe der Entstehung der Krankheit zerstörten, auch die transplantierten Zellen angreifen.

Das führt dazu, dass nach fünf Jahren nur noch 24 Prozent der Transplantate funktionieren. Weltweit wird nach Möglichkeiten gesucht, transplantierte Beta-Zellen im Körper des Empfängers länger am Leben zu erhalten.

Die Vorteile solcher Zell-Transplantationen - statt der Verpflanzung ganzer Organe - werden auch bei solchen Studien gegen Leberversagen deutlich. Dr. Stephen Strom (Pittsburgh/USA): "Wir haben in den USA derzeit 14.000 Patienten auf der Warteliste für Lebertransplantationen. Zehn Prozent dieser Menschen sterben Jahr für Jahr, weil die Spenderorgane so knapp sind. Die Transplantation von Leberzellen wäre hingen viel einfacher, weniger belastend und man könnte viel mehr Menschen versorgen."

Weitere Prespektiven

Auch bei neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson (Schüttellähmung), der Huntington-Krankheit bzw. nach Schlaganfällen könnte ein Ersatz zu Grunde gegangener Neuronen des Gehirns eine Behandlungsperspektive bilden. Doch das ist nicht so einfach. Dr. Ann Rosser (Cardiff/UK): "Zur Behandlung des Morbus Parkinson benötigt man Neuronen von menschlichen Föten sechs bis zwölf Wochen nach der Befruchtung der Eizelle. Ausdifferenzierte adulte Zellen überstehen die Transplantation in das Gehirn (des Parkinson-Kranken, Anm.) nicht."

Immerhin: Schwedische Studien an Patienten mit der Übertragung von Dopamin-produzierenden fötalen Zellen bei Parkinson-Patienten, denen man sonst kaum helfen konnte, zeigten teilweise gute Ergebnisse: Die schweren motorischen Störungen (Schütteln, völliges Übersteuern von Bewegungen) konnten während 60 Prozent der Zeit eines Tages unter Kontrolle gebracht werden. (APA)

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