Mortier rät Flimm auf Salzburger Intendanz zu verzichten

8. September 2004, 22:07
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Ruhrtriennale und Festspiele seien nicht vereinbar - Flimm: "Von Konkurrenz kann gar keine Rede sein"

Paris - Der Kulturmanager Gerard Mortier rät dem kürzlich berufenen Intendanten Jürgen Flimm, auf die Leitung der Salzburger Festspiele zu verzichten. "Man kann nicht gleichzeitig das Festival in Salzburg und die Ruhrtriennale leiten", sagte Mortier am Mittwoch in Paris in einem dpa-Gespräch. "Das sind zwei Festivals, das ist nicht vereinbar." Nach seinem Kenntnisstand seien viele Projekte, die Flimm für Salzburg ins Auge fasse, eigentlich Projekte für die Ruhr gewesen, meinte Mortier, der selber Chef in Salzburg und Gründungsintendant der Ruhrtriennale war und jetzt in Paris die Leitung der Oper übernommen hat.

Flimm weist dies zurück

Flimm wies diese Behauptungen noch am selben Tag zurück: "Von Konkurrenz kann gar keine Rede sein. Denn ersten steht das Programm für Salzburg noch gar nicht. Zweitens wird das Programm für die Triennale 2005 jetzt im Oktober abgeschlossen."

Flimms fünfjähriger Vertrag als Intendant der Salzburger Festspiele beginnt im Oktober 2006, seine erste Saison wird 2007 sein. Für die Ruhrtriennale ist er von Herbst 2004 bis 2007 zuständig. "Mortier weiß, dass die Ausführung verschiedener Aufgaben durchaus möglich ist. Er hat von Salzburg die Triennale aus vorbereitet und von der Ruhr aus die Pariser Oper", sagte Flimm.

Für Mortier ist das jedoch nicht vergleichbar. "Die Ruhrtriennale ist ein Festival und Paris eine Oper. Als ich mit der Oper begann, war ich mit dem Programm der Triennale außerdem schon weit fortgeschritten."

Ruhrtriennale sei "besser als Salzburg" und dürfe nicht an zweite Stelle rücken

Mortier äußerte Sorge, dass für Flimm die Ruhrtriennale zweitrangig werden könnte. "Ich befürchte, dass die Ruhrtriennale an die zweite Stelle rücken wird." Dabei sei das Festival etwas Neues und "besser als Salzburg". "Jeder weiß das, denn sie ist viel innovativer." Er könne Flimm verstehen, dass er nach Salzburg geht, aber mit dieser Aufgabe könne er die Ruhrtriennale nicht noch nebenher leiten.

Vorschlag Mortiers für Salzburg: Intendant plus Ehrenpräsidium, aber kein Direktorium

Mortier gab Flimm auch den Rat, Salzburg wie ein künstlerisch selbstständiger, autonomer Intendant zu leiten - und nicht im Rahmen des Direktoriums. "Man muss die Art und Weise ändern, das Festival zu leiten. Der Intendant muss es leiten mit einem Ehrenpräsidenten zum Beispiel, aber kein Direktorium, in dem Frau (Festspielpräsidentin Helga, Anm.) Rabl-Stadler und ihre Leute das Sagen haben", erklärte Mortier, der selber vor wenigen Jahren wegen eines Dissens mit dem Salzburger Direktorium seinen Vertrag nicht mehr verlängerte. (APA/dpa)

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