Bush erfüllte Militär-Standards nicht

9. September 2004, 17:30
21 Postings

Neue Dokumente - US-Präsident verlor 1972 den Pilotenschein und vernachlässigte seine Pflichten bei der Nationalgarde

Washington - US-Präsident George W. Bush hat sich während seines Militärdiensts in der Nationalgarde nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Das geht aus bisher unveröffentlichten Unterlagen hervor, die das US-Verteidigungsministerium der Nachrichtenagentur AP am Dienstag zur Verfügung stellte. Danach war Bush während seiner Ausbildung zum Kampfpiloten ein mittelmäßiger Schüler und verlor 1972 seinen Pilotenschein.

Bush hat seine Flugberechtigung für Kampfflugzeuge bei der texanischen Nationalgarde verloren, weil er die Standards nicht erfüllte. Dies geht aus Notizen seiner Vorgesetzten hervor, die das Weiße Haus am Mittwochabend veröffentlichte. Bisher hatte es immer geheißen, Bush habe 1972 seinen Pilotenschein verloren, weil er zu einer medizinischen Untersuchung nicht erschienen sei.

Standards nicht erfüllt

Sein damaliger Vorgesetzter Oberstleutnant Jerry Killian schrieb in einer Notiz vom 1. August 1972, die Flugerlaubnis für Leutnant Bush sei ausgesetzt worden, weil dieser die Standards der Luftwaffe und der texanischen Nationalgarde nicht erfüllt und nicht - wie befohlen - zur jährlichen medizinischen Untersuchung erschienen sei.

Im Wahlkampf für Bush Vater

Ein Jahr später hält Killian in einer Notiz fest, dass es Meinungsverschiedenheiten unter den Vorgesetzten Bushs gegeben habe, weil es nicht möglich gewesen sei, seine Fähigkeiten einzuschätzen. Es habe leider keine Rückmeldungen von der Nationalgarde in Alabama gegeben, weil Bush dort in dieser Hinsicht weitgehend untätig gewesen sei. Bush war 1972 und 1973 - zur Zeit des Vietnamkriegs - im Wahlkampf für seinen Vater aktiv.

Pflichten in der Nationalgarde vernachlässigt

Der Präsident sei während seiner Zeit in der texanischen Nationalgarde zwei Mal von ihm abgegebenen schriftlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen, berichtete der "Boston Globe" am Mittwoch. Das Blatt stützt seine Vorwürfe auf eine erneute Untersuchung von Militärakten, die bereits im Februar veröffentlicht worden waren und Bush schon damals wegen der angeblichen Verletzung seiner Dienstpflichten in Bedrängnis gebracht hatten. Außerdem beruft sich die Zeitung auf Interviews mit Militärexperten.

Die neuen Vorwürfe beziehen sich auf zwei Vorfälle in den Jahren 1968 und 1973. Bush sei dafür nicht zur Verantwortung gezogen worden. In dem "Boston Globe"-Bericht heißt es weiter, Bush sei so unregelmäßig zu Übungen erschienen, dass seine Vorgesetzten ihn von 1972 bis 1974 auch in den aktiven Dienst zwangsversetzen hätten können. Ein Kommandant Bushs habe 1973 geschrieben, dieser sei in den vorherigen zwölf Monaten kein einziges Mal in seiner Einheit gesehen worden.

Der Zeitungsbericht fällt zusammen mit der Erstausstrahlung eines TV-Spots, in dem ein ehemaliger Leutnant der Nationalgarde angibt, weder er noch seine Kollegen hätten Bush im Jahr 1972 in seiner Einheit gesehen, in der dieser Dienst tun hätte sollen. Erst am Dienstag hatte das US-Verteidigungsministerium außerdem neue Akten über den Militärdienst des Präsidenten veröffentlicht. Zuvor hatte das Pentagon stets angegeben, außer den im Februar veröffentlichten Dokumenten existierten keine weiteren Unterlagen.

Der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Terry McAuliffe, griff Bush in einer Reaktion auf den Zeitungsbericht scharf an. Der Präsident habe "die amerikanische Öffentlichkeit entweder vorsätzlich belogen, oder er leidet an sehr starkem Gedächtnisschwund".

Bush und sein demokratischer Herausforderer John Kerry versuchen sich bisher im Wahlkampf jeweils als geeignete Oberbefehlshaber über die US-Truppen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus darzustellen. Unter anderem steht dabei die Frage ihrer eigenen militärischen Vergangenheit im Mittelpunkt. Zuletzt hatten gegen Kerry gerichtete TV-Spots dem Herausforderer Bushs seine Leistungen im Vietnamkrieg streitig zu machen versucht. Bush war durch die Meldung für die Nationalgarde dem Vietnameinsatz entgangen. (APA/AP)

Share if you care.