8.9.. "Austrokoffer" belustigt das Feuilleton

14. September 2004, 16:58
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FAZ: "In Österreich gibt es den Koffer, den Vollkoffer und als weitere Steigerung nun auch den Austrokoffer"

Wien - Nach der recht angespannten Diskussion um die Rechtschreibreform haben die deutschen und schweizerischen Printmedien ein neues Thema für Polemiken entdeckt: den "Austrokoffer". Die hier zu Lande heftig umstrittene Edition österreichischer Nachkriegsliteratur, die in Form von 18 Bänden im Carl Ueberreuter Verlag unter Herausgeber Günther Nenning erscheinen soll, sorgte in den Ausgaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) für Amüsement. Während sich die FAZ in Betrachtungen über das österreichische Schimpfwort "Koffer" ergeht, erheitert sich die NZZ über den Werbespruch: "Keine Reise ohne Austrokoffer".

Launig stimmt die FAZ auf das heiße Thema ein: "In Österreich gibt es den Koffer, den Vollkoffer und als weitere Steigerung nun auch den Austrokoffer. Das vokalderb wie 'kouffa' (ähnlich wie im Englischen die Wörter boat oder coast mit einem halboffenen o, auslautend in ein schwaches u) ausgesprochene Wort Koffer hat nicht nur die Bedeutung eines geräumigen Behältnisses, sondern ist landauf und landab auch ein Synonym für Depp, also, in hochdeutscher Sprache, für einen Trottel. Ein Vollkoffer ist dementsprechend ein Volltrottel. Schon deshalb wollen renommierte Schriftsteller ihre Werke nicht in einen 'Austrokoffer' packen lassen".

"Koffer, Vollkoffer oder gar Austrokoffer"

Nach chronologischen Schilderungen des Diskussionsverlaufes schließt die FAZ so: "Das eilig aufgestellte Prestigeprojekt dürfte also recht löchrig geraten, weil die nunmehrigen Nestflüchter im Jubiläumsjahr 2005 nicht politisch vereinnahmt werden wollen und auch keine Koffer, Vollkoffer oder gar Austrokoffer sein möchten. Ja, zu gut kennen sie ihr österreichisches Deutsch (das ein patriotisches Schriftstellergrüppchen während der Rechtschreibreformdebatte gar zur Staatssprache erheben wollte). Österreichisches Deutsch kann ziemlich hinterfotzig sein".

In der NZZ kommt Nenning nicht gut weg: "Herausgeber des 'Austrokoffers' ist mit Günther Nenning zudem ein Mann, der in der furios ressentimentgeladenen und nicht gerade kunstfreundlichen "Kronen-Zeitung" zu den wichtigsten Stimmen gehört. Mit ranziger Volksnähe wirbt Günther Nenning schon jetzt auf der Homepage für den 'Austrokoffer'".

Auch in der NZZ geht es um den Namen "Austrokoffer", der als "einer der schlagendsten Einwände" gegen das Projekt gilt: "Denn als 'Koffer' bezeichnet man in Österreichs Hauptstadt Menschen mit dezidiert geringen geistigen Kapazitäten". (APA)

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