Zu wenige Leber-Spender: 10 bis 30 Prozent der Wartenden sterben

8. September 2004, 11:34
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Transplantation von Organteilen eines lebenden Spenders als möglicher Ausweg

Wien - 10 bis 30 Prozent der Patienten mit chronischem Leberversagen, die auf ein Spenderorgan warten, sterben vor einer Transplantation. Der "einfache" Grund dafür: Es gibt nicht genug Organspender. Diese sprichwörtliche Schere zwischen Bedarf und verfügbaren Organen dürfte weiter auseinander gehen. Eine mögliche Strategie zur Minderung dieses Mangels stellt die Lebendorgan-Lebertransplantation (LOLT) laut Univ.-Prof. Dr. Christoph Erich Broelsch von der Klinik für Allgemein- und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Essen (Deutschland) dar.

"Die Lebendorganleberspende stellt eine herausragende und innovative Methode in der Therapie der Lebererkrankungen im terminalen Stadium sowohl für Kinder als auch für Erwachsene dar. Die Technik wurde erstmalig 1989 bei Kindern angewandt. Nur zehn Jahre später konnte diese Methode weltweit als neues Therapiekonzept auch bei erwachsenen Patienten etabliert werden", erklärte der deutsche Experte.

Entnahme von Teilen

Der Fachmann: "Die Mortalität auf der Warteliste für eine Leichenorganspende ist das wichtigste Argument, welches unter der Voraussetzung eines minimalen Risikos eine Operation an einem gesunden Individuum - einem potenziellen Spender, rechtfertigt."

Gerade bei der Leber ist das aber eine zukünftige mögliche Strategie. Teile des Organs können lebenden Spendern entnommen und übertragen werden. Da das Organ aus unterschiedlichen Lappen besteht, lassen sich einzelne Segmente abtrennen und transplantieren. Gleichzeitig ist die Leber eines (Leber-)gesunden Spenders groß genug, auch ohne diesen Teil auszukommen.

Kein Zeitdruck

Ob nun Kinder oder Erwachsene die Empfänger sind, es wurden unterschiedliche Techniken - gleichzeitig unter Verwendung unterschiedlicher Spenderleber-Teile entwickelt. Der Hauptvorteil bei Patienten mit chronischem Leberversagen: Die Operation kann "elektiv", das heißt geplant und ohne Zeitdruck erfolgen. Broelsch tritt für eine strikt auf Universitätskliniken beschränkte Anwendung ein.

Der Empfänger ist dabei noch nicht so krank, dass die doch sehr belastende Operation ein hohes zusätzliches Risiko darstellt. Im Gegensatz zum Nierenversagen gibt es beim endgültigen Leberkoma keine medizinisch technischen Möglichkeiten, um die Funktion des Organs vorübergehend zu ersetzen. Die Transplantation von Lebendspenderorganen bzw. Teilen von ihnen führt auch zur Vermeidung von Problemen die mit dem Transport (Sauerstoffversorgung/Durchblutung) von Spenderorganen von Hirntoten zusammenhängen.

Die Entwicklung der LOLT

Noch ist die Lebendorgan-Lebertransplantation (LOLT) ein relativ junges Verfahren. Doch der Anteil dieser Technik an den Lebertransplantationen insgesamt steigt:

- Zwischen 1991 und 2001 wurden in Europa 10.801 Lebertransplantationen durchgeführt. 488 oder 4,5 Prozent entfielen auf LOLT (Anteil erhöht sich ständig).

- In den USA wurden bis 2003 schon 449-LOLT-Operationen durchgeführt.

- In Asien erfolgten zwischen 1991 und 2003 1.508 Lebertransplantationen von lebenden Spendern - zur Hälfte für Kinder und zur Hälfte für Erwachsene. (APA)

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