Objektivieren, bis die Farben ihren Platz haben

17. September 2004, 12:10
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Im Burgenland wird jetzt das "Objektivierungsverfahren" bei der Schulleiterbestellung "objektiviert". Anlass dazu: die Neubesetzung des Postens des Volksschuldirektors in Wulkaprodersdorf.

Eisenstadt - Objektiviert wird auch in Burgenlands Schulen. Zuweilen freilich so sehr auf Teufel komm raus, dass die vier Landtagsparteien vor dem Sommer einhellig beschlossen haben, die Objektivierung um der Objektivität willen noch einmal zu objektivieren.

Der unmittelbare Anlass dazu war die Bestellung des Direktors in der Volksschule in Wulkaprodersdorf/Vulkaprodrstof gegen den ausdrücklichen Wunsch von Eltern und Gemeinde. Der Bürgermeister, der beim entscheidenden Hearing anwesend war, deponierte dort und später schriftlich beim Landesschulrat, auf dem Hut des dann bestellten Kandidaten befänden sich sozusagen fremde Federn, das dürfe doch nicht positiv zur Kenntnis genommen werden. Wurde es aber ebenso wie der Umstand, dass der Kandidat das Hearing "runtergedreht hat wie gelernt", sagt der Bürgermeister.

Beim anwesenden Grünen-Vertreter Josko Vlasich verstärkte sich der Eindruck, dass der Kandidat "gecoacht" war. Das sei zwar nicht verboten, wenn die Coaches aber "aus dem Umfeld des Landesschulrates kommen", mache das einen erstaunlichen Eindruck.

Die Grünen stimmten gegen die Ernennung, zogen sich aus dem Kollegium des Landesschulrates zurück und beantragten im Landtag die Änderung des Objektivierungsverfahrens. Das für Intervention und unfair-gezielte Befragung nach oben offene Hearing, das bisher mit bis zu 70 Prozent zu Buche schlägt, soll abgewertet, die Berufsbiografie und auch außerschulische Aktivitäten aufgewertet werden. Der Geschäftsführer des Landesschulrates, Gerhard Resch, glaubt, diese Sache bis Oktober unter Dach und Fach zu haben. Seinen Glauben teilt die Mehrheit seiner Kollegen nicht.

Für die junge, unter dem Druck des enger werdenden Arbeitsmarktes stehende Lehrerin - die eben deshalb ungenannt bleiben will - ist die Sache klar und keinesfalls auf Wulkaprodersdorf beschränkt. "Das war ein Gegengeschäft. Im schwarzen Eisenstadt haben sie eine rote Direktorin bestellt, dafür im roten Prodersdorf einen Schwarzen." Sogar der Pfarrer habe von der Kanzel Partei ergriffen.

Seit Montag herrscht wieder Schulalltag in Wulkaprodersdorf. Der Bürgermeister will, sagt er, "eine sachliche Basis". Der Direktor sagt: "Ich kann nur das sagen: Ich bin am ersten April offiziell als Direktor bestellt worden."

(Wolfgang Weisgram/DER STANDARD Printausgabe,8.9.2004)

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