Asfinag will sich an Mautbetreiber Europpass beteiligen

8. September 2004, 19:20
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Auch Strabag soll mit an Bord - Neue Struktur für Asfinag steht - Umsetzung bis 2006

Wien - Die Autobahngesellschaft Asfinag will sich am österreichischen Mautbetreiber Europpass beteiligen. Endgültig entschieden ist es zwar noch nicht, die Asfinag dürfte aber eine Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) der Europpass, derzeit eine 100 Prozent-Tochter der italienischen Autostrade, erwerben. "Das würde uns große Vorteile bringen, sowohl finanziell als auch für die strategische Weiterentwicklung", erklärte Asfinag-Aufsichtsratspräsident Johann Quendler in einem Gespräch mit Journalisten. Den Kaufpreis beziffert er mit rund 20 Mio. Euro.

Schon bei Vergabe des Lkw-Maut-Projekts an Europpass im Jahr 2002 hatte sich die Asfinag eine Option gesichert, die der Autobahngesellschaft von einer Minderheitsbeteiligung an Europpass bis zur Komplettübernahme alle Möglichkeiten offen legt. Nun will die Asfinag neben der Autostrade auch die Bauholding Strabag mit an Bord holen. Die Strabag interessiert sich schon seit langem für eine Beteiligung an Europpass, war bisher jedoch an Bedenken der Asfinag gescheitert.

Chancen im Ausland

Asfinag-Generaldirektor Walter Hecke glaubt jetzt aber, dass sich das Dreigespann Autostrade-Strabag-Asfinag mit dem Mautvorzeigeprojekt Österreich auch im Ausland bewehren könnte. Vor allem in den Beitrittsländern sei das österreichische Mautsystem basierend auf Mikrowellensendern derzeit stark gefragt - im Vergleich zum geplanten Satellitensystem in Deutschland sei das System "deutlich billiger und sicherer". Die Zeit zum Einstieg der Asfinag dränge daher, so Hecke.

Mit dem Asfinag-Eigentümer, dem Bund, seien die Vorstellungen bereits abgestimmt, dieser muss die Asfinag-Lizenz noch entsprechend adaptieren. Ein Abschluss der Verhandlungen mit Autostrade und Strabag ist laut Asfinag-Präsident Quendler in den nächsten Monaten zu erwarten. Es wäre die erste Beteiligung der Asfinag an einem privaten Unternehmen.

Interner Konzernumbau

Demnächst - konkret mit 1.1.2005 - will die Asfinag auch mit dem angekündigten internen Konzernumbau beginnen. Unter einer neuen Asfinag-Holding soll das Unternehmen in insgesamt sieben GmbHs geteilt werden - eine Asfinag Bau Management GmbH für den österreichweiten Autobahn- und Schnellstraßenneubau, eine Verkehrstelematik GmbH für neue Autobahn-Informationssysteme, eine Maut Service GmbH für die Mautabwicklung und vier regionale Betriebsgesellschaften, die 48 Straßenmeistereien ersetzen sollen.

Diese Straßenmeistereien gehören derzeit den Ländern und haben bisher anhand von Werkverträgen für die Asfinag gearbeitet. Hecke spricht von einer "Black Box", in die das Geld geflossen sei. Bis Ende 2006 werden diese Verträge nun allesamt aufgekündigt. Stattdessen sollen Tirol und Vorarlberg in einer Betrieb West GmbH zusammengefasst werden, Salzburg und Oberösterreich in einer Betrieb Nord GmbH, Kärnten und die Steiermark in einer Betrieb Süd GmbH und Wien, Niederösterreich und das Burgenland in einer Betrieb Ost GmbH. Die Asfinag will an diesen Gesellschaften jeweils 51 Prozent halten, die restlichen 49 Prozent gehen an die Länder. Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Tirol haben bereits unterschrieben, mit den anderen Ländern wird noch verhandelt.

Personalzuwachs

1.200 Mitarbeiter aus den Straßenmeistereien sollen in die neuen Betriebsgesellschaften übernommen werden. Der Personalstand der Asfinag-Gruppe steigt damit von rund 900 auf 2.100 Mitarbeiter an. Sie könnten demnächst einen neuen Chef bekommen.

Wechsel zur ÖBB

Generaldirektor Hecke hat am Dienstagabend neuerlich sein Interesse an einem Wechsel in die ÖBB bestätigt. "Was mich reizt, ist die Infrastruktur", erklärte Hecke. Es soll aber nicht nur ein ÖBB-Holding-Vorstand für den Infrastruktur-Bereich gesucht werden, sondern möglicherweise auch schon ein Nachfolger für derzeitigen ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde. Hecke dazu nur knapp: "Die Gremien werden entscheiden, was sie mir anbieten."

Der Aufsichtsrat der ÖBB tagt am 23. September.(APA)

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