"Reporter ohne Grenzen" kritisiert Einschränkung der Berichterstattung

10. September 2004, 17:37
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Offener Brief an Putin: Russland beschneidet Pressefreiheit

Berlin/Hamburg - Eine unabhängige Berichterstattung und Sicherheit für Journalisten - mit diesen Forderungen hat sich die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" (RoG) in einem offenen Brief an Russlands Präsidenten Wladimir Putin gewandt. Laut einer Aussendung vom Donnerstag solle sich Putin außerdem wirtschaftlich und politisch für unabhängige Medien engagieren, anstatt sie "gezielt zu schwächen".

"Das Geiseldrama von Beslan hat gezeigt: Wer - wie (der zum Rücktritt gezwungene Chefredakteur) Raf Schakirow von der Zeitung Iswestija - von der staatlichen Linie abweicht, kritisch berichtet und emotionale Bilder bringt, verliert seinen Job", sagte Alexej Simonow von der Moskauer Stiftung Glasnost Defense. Die staatlichen Fernsehsender indessen stünden einem solchen Ereignis ängstlich und hilflos gegenüber und hätten über die entscheidenden Momente nicht informiert. Dies erklärte Simonow auf einer Pressekonferenz von RoG am Donnerstag zum Auftakt des Petersburger Dialogs in Hamburg.

RoG zeigte sich laut Aussendung alarmiert über die Versuche, eine unabhängige Berichterstattung vom Geiseldrama in Beslan zu verhindern. Material sei beschlagnahmt und mindestens drei kritische Journalisten verhaftet worden, und die Tschetschenien-Expertin Anna Politkowskaja habe ihre Reise nach Beslan wegen einer Vergiftung abbrechen müssen. RoG fordere in diesem Zusammenhang eine umgehende Aufklärung dieses Vergiftungsfalls sowie die Freilassung der festgehaltenen Journalisten.

Auch die russische Journalistin Olga Kitowa berichtete von den Grenzen der Pressefreiheit in Russland. Sie habe am eigenen Leib erfahren, was kritische Artikel für Folgen hätten, nämlich die Festnahme, Schläge, Verhöre und zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung. Eine häufige Konsequenz der Journalisten sei daher Selbstzensur, so Kitowa. Aus Sicht von RoG eine bedenkliche Entwicklung für eine Gesellschaft auf dem Weg zu einer Demokratie.

Seit Putins Amtsantritt seien laut RoG gerade unabhängige und freie Medien unter Druck geraten, täglich würden Journalisten eingeschüchtert und bedroht - vor allem in den Provinzen. Allein dieses Jahr seien zwei Journalisten ermordet, 15 Journalisten angegriffen und 18 verhaftet worden sowie zahlreiche Medien zensiert oder geschlossen worden. Russland gehöre laut RoG demnach zu den wenigen Ländern in Europa, in denen kritische Journalisten um ihre Freiheit, ihre Gesundheit oder im Extremfall um ihr Leben fürchten müssten.

Bei dem zweitägigen, vierten deutsch-russischen Petersburger Dialog stehen zahlreiche Expertengesprächen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen auf dem Programm. (APA)

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