TV-Sender zeigte Bilder des Geiseldramas in Schule von Beslan

8. September 2004, 08:21
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Hunderttausende protestierten in Moskau gegen Terrorismus

Moskau - Vier Tage nach dem blutigen Ende des Geiseldramas in Beslan mit mehr als 300 Toten hat ein russischer Fernsehsender ein Terroristenvideo aus der Turnhalle der Schule gesendet. Auf dem vom halbstaatlichen Kanal NTW am Dienstagabend gezeigten Film ist zu sehen, wie die Geiselnehmer vermutlich wenige Stunden nach dem Überfall inmitten der gefangenen Menschen Sprengfallen in der Halle installieren. Die Kamera schwenkt über eine große Menschenmenge in der Halle. Von Panik sei nichts zu spüren, kommentierte NTW die Aufnahmen.

Der Sender machte keine Angaben, wie diese Bilder in seinen Besitz gelangten. Zu sehen ist auch eine der in schwarz gekleideten Selbstmord-Attentäterinnen, die einen Sprengsatz und eine Pistole in den Händen hält.

Hunderttausende von Menschen gingen am Dienstag in ganz Russland aus Protest gegen den Terrorismus auf die Straße. Präsident Wladimir Putin sprach sich unterdessen gegen eine öffentliche Untersuchung des Geiseldramas im Nord-Kaukasus aus. Putin kündigte eine interne Aufarbeitung der Tragödie an. Gleichzeitig lehnte er Verhandlungen mit tschetschenischen Rebellen ab, die nach Ansicht Moskaus für die Tat von Beslan verantwortlich sind. Am frühen Abend sagte Putin seinen für Freitag und Samstag geplanten Deutschland-Besuch ab.

Putin besuchte am frühen Dienstagabend einen Gedenkgottesdienst für die Geiselopfer in der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Moskau. Nach seiner Ankunft in dem Gotteshaus unweit der Lomonossow- Universität zündete er nach orthodoxem Brauch vier Kerzen für die Toten an.

In einem Bericht des russischen Staatsfernsehens bestätigte ein festgenommener Geiselnehmer die Version des Kremls zu den Hintergründen des Dramas. Auftraggeber seien der tschetschenische Ex-Präsident Aslan Maschadow und der Topterrorist Schamil Bassajew gewesen, sagte der Geiselnehmer. Man habe mit der Bluttat den Tschetschenien-Konflikt auf den gesamten Nordkaukasus ausweiten wollen, sagte der aus Tschetschenien stammende Mann.

Knapp zwei Wochen nach den Bombenanschlägen auf zwei russische Passagierflugzeuge, bei denen zusammen 90 Menschen ums Leben gekommen waren, nahmen die russischen Behörden unterdessen zwei Verdächtige fest. Das berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Einer der Beiden habe am Flughafen Domodedowo, von dem die beiden Maschinen am 24. August gestartet waren, seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf überteuerter Flugkarten verdient.

Die NATO und Russland wollen gemeinsam gegen den Terrorismus vorgehen. Die Botschafter der 26 NATO-Staaten und Russlands erklärten nach einer Sitzung im NATO-Russland-Rat am Dienstag in Brüssel, die gemeinsamen Anstrengungen zur Bekämpfung dieser Sicherheitsgefahr sollten verstärkt werden. Die Partner wollen einen Aktionsplan mit praktischen Maßnahmen ausarbeiten.

Nach offiziellen Angaben starben 335 Geiseln. Von ihnen waren bis Dienstag 213 von ihren Angehörigen identifiziert worden. Insgesamt waren bei dem Geiseldrama in der Schule "Nr. 1" in der Kleinstadt 705 Menschen verletzt worden, darunter 307 Kinder. Rund 400 Opfer wurden am Dienstag noch in Krankenhäusern behandelt, davon 222 Kinder. (APA/dpa)

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