5.000 Jobs wackeln - Belegschaft rebelliert

19. September 2004, 19:19
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Gewerkschaften verhandeln weiter - De Palacio: "Keine Zukunft ohne Personalkürzungen"

Rom - Die angeschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia ringt ums Überleben. Erzürnte Reaktionen löste unter der Belegschaft der Sanierungsplan des Alitalia-Managements aus, ein Viertel des Personals - rund 5.000 Stellen - zu streichen. Genaue Angaben über die Jobs, die wegrationalisiert werden müssen, um der Airline eine Zukunft zu sichern, wurden den Gewerkschaften bei einer angespannten Sitzung im Alitalia-Hauptquartier in Rom vorgestellt.

"Alitalia steht ein Stellen-Massaker bevor", warnte Marco Notaro, Chef der Pilotengewerkschaft "Unione Piloti". "Der Sanierungsplan bestätigt unsere düstersten Erwartungen", hieß es. Alitalia könne kaum überleben, wenn ein Viertel der 21.000 Arbeitsplätze gestrichen werde. Dabei enthalte der Plan keine genauen Angaben über die sozialen Maßnahmen zur Unterstützung des Personals, das seine Stelle verlieren wird.

Laut Plan sollen 450 Piloten, 1.050 Kabinenmitarbeitern, 1.440 Beschäftigten in der Instandhaltung und 970 Mitarbeitern beim Bodenservice ihre Jobs verlieren. Im Marketing sollen 360 Mitarbeiter gehen, in der Informatikabteilung 610 und im Frachtbereich 120.

Durch die Personaleinsparungen sollen in den kommenden beiden Jahren 315 Mio. Euro gespart werden. Dank der strengen Ausgabenkürzungen will das Management bis Ende 2006 830 Mio. Euro sparen, bis Ende 2008 sollen es 1,03 Mrd. Euro sein. Alitalia soll laut Sanierungsplan künftig in die Teilunternehmen Alitalia Fly für den Flugbetrieb und Alitalia Service für Dienstleistungen am Boden aufgeteilt werden.

Erzürnte Mitarbeiter der krisengeschüttelten Fluggesellschaft begannen am Dienstag mit einem turnusmäßigen Hungerstreik gegen die geplante Jobstreichung. Sie erklärten sich auch zu einer Blockade der Pisten bereit, um den Flugverkehr in Italien lahm zu legen. Die Regierung wird beschuldigt, Alitalia in die Insolvenz treiben zu wollen, um freie Hand bei der Kündigung des Personals zu haben.

Trotz der Proteste wollen die Gewerkschaften jedoch die Verhandlungen mit der Regierung nicht abbrechen. "Wir verhandeln weiter, wir wollen den Plan ändern", betonte der Gewerkschaftschef Luigi Angeletti. Die neuen Arbeitnehmerorganisationen, die mit Alitalia's Chef Giancarlo Cimoli verhandeln, wissen, dass sich für Alitalia die Tore der Insolvenz öffnen würden, wenn die Verhandlungen mit dem Management abgebrochen werden sollten.

Die finanzielle Lage ist ohnehin düster. Alitalia hat nur noch Finanzmittel zur Zahlung der September-Gehälter in den Kassen. Die Zahl der Passagiere ist auch wegen der Konkurrenz der Low Cost-Gesellschaften auf Talfahrt. Das erhoffte Passagierwachstum in der Sommerreisezeit blieb aus und der heimische Marktanteil brach auf 45 Prozent ein. Vor zwei Jahren waren es noch 66 Prozent gewesen.

EU-Verkehrskommissarin Loyola De Palacio mahnte, dass es keine Alternativen zum Stellenabbau gibt. Sie rief die Gewerkschaften zu Verantwortungsbewusstsein auf und erklärte, dass sich die Regierung nicht an der Kapitalisierung der Airline beteiligen könne. "Die Regierung hat sich zur Privatisierung der Gesellschaft bis kommenden Sommer verpflichtet. Sollte sich die Regierung an einer Kapitalisierung beteiligen, wird dies nur ein minimaler Teil sein", sagte sie. (APA)

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