Aufregung um Ustascha-Denkmal in Kärnten

8. September 2004, 19:29
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Kroatiens Ministerpräsident Ivo Sanader spricht von einem "Missverständnis"

Zagreb/Klagenfurt- "Ich sehe nichts, was die Österreicher beunruhigen sollte." Nach dem enormen Medienrummel um ein geplantes neues Denkmal für die 1945 ermordeten Anhänger des faschistischen Ustascha-Regimes bei Bleiburg in Kärnten spricht Kroatiens Ministerpräsident Ivo Sanader nun von einem "Missverständnis".

Es werde kein neues Denkmal errichtet, sondern lediglich das alte an einem anderen Platz - gut sichtbar - aufgestellt. Und daran findet Sanader "nichts Strittiges".

Für den Ankauf des dafür vorgesehenen 14.230 Quadratmeter großen Grundstückes will Zagreb dem "Klub der kroatischen Heimkehrer aus der Emigration" immerhin 135.000 Euro zur Verfügung stellen.

Diese Ankündigung kam überraschend. Denn noch Ende August hatte die regierende HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) vor dem Hintergrund des EU-Beitritts in einem offenen Brief die Errichtung vom Denkmälern für die faschistischen Ustascha-Mitglieder als Verstoß gegen das Interesse des kroatischen Volkes gewertet.

Die Ustascha-Bewegung, 1929 von Ante Pavelic gegründet, kam in Kroatien 1941 von Hitlers Gnaden an die Macht und kämpfte im Zweiten Weltkrieg an der Seite der Nationalsozialisten. Nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands flüchteten zahlreiche Ustascha-Soldaten und Sympathisanten nach Österreich und ergaben sich der britischen Besatzungsmacht.

Diese lieferte sie jedoch den Tito-Kommunisten aus. Auf dem Bleiburger Feld wurden etliche von ihnen, wie auch die ebenfalls mit Hitler kollaborierenden slowenischen Domobranzen und die russischen Kosaken, an Ort und Stelle von jugoslawischen Partisanen brutal umgebracht. Seit 1945 wurde deshalb von kroatischen Emigranten - zuletzt unter Teilnahme hochrangiger kroatischer Regierungsmitglieder - alljährlich der "Opfer der Bleiburger Tragödie" gedacht. Das hat bisher in Kärnten niemanden aufgeregt.

Nach Bekanntwerden der neuen Denkmalpläne kam es jedoch zu zahlreichen Reaktionen: Landeshauptmann Jörg Haider sprach sich für das Denkmal aus. Die Kärntner SPÖ äußerte sich dagegen skeptisch, und die Kärntner Slowenen empfinden nun "Unbehagen". (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 8. 9. 2004)

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