Staatsdruckerei will Notenbank-Tochter

20. September 2004, 12:39
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Interesse an Chipkartenerzeuger Austria Card - "Sinnvolle Ergänzung zu unserem Geschäft"

Wien – Die Österreichische Staatsdruckerei (ÖSD), seit 2000 im Eigentum des Investmentfonds Euro Capital Partners (ECP) rund um den Wiener Wirtschaftstreuhänder Johannes Strohmayer, hat ein Auge auf die 100-prozentige Notenbanktochter Austria Card geworfen. Sie erzeugt Chipcards wie Bankomat- oder Bankkarten und "ist ein interessantes Unternehmen, das eine sinnvolle Ergänzung zu unserem Geschäft darstellen könnte", so ECP-Vorstand Strohmayer, der Aufsichtsratschef der Druckerei ist.

Diese produziert Sicherheitsdokumente für die Republik: Reisepässe genauso wie Führer- und Zulassungsscheine, Visa oder Briefmarken; von letzteren rund 500 Mio. Stück im Jahr. Renner ist übrigens die "personalisierte" Briefmarke, wie sie Expräsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner im Wahlkampf unter die Leute gebracht hat. Rund 200 solcher Aufträge für je 200 bis 10.000 Privatbriefmarken bekommt die ÖSD jeden Tag. Der Arbeitsaufwand hält sich stärker in Grenzen als die Verdienstmöglichkeiten: Das Konterfei schickt die Post online, die ÖSD druckt es nur noch auf die 55-Cent-Marke, die 95 Cent kostet.

Starkes Auslandsgeschäft

Rund ein Fünftel ihres Geschäfts machen die Staatsdrucker im Ausland; vor allem in Asien und Afrika, aber auch in den neuen EU-Ländern, denen sie etwa Schengen-Visa verkaufen. Kein Wunder, dass Strohmayer die Austria Card gefällt: Die Produktpalette würde deutlich bunter.

Spekulationen, auch die Münchner Banknotendruckerei Giesecke & Devrient (G & D) erwärme sich für Austria Card (sie wurde von den Deutschen beim umstrittenen Auftrag für die E-Card ausgebootet), stimmen laut einem G & D-Sprecher nicht. Infrage komme dagegen eine Kooperation mit der defizitären OeNB-Banknotendruckerei OeBS. "Kein Interesse" bestehe aber an einem Einstieg oder Kauf.

Ob die Staatsdruckerei bei den Kartenmachern Chancen hat, steht freilich in den Sternen. Der OeNB-Generalrat beschäftigt sich am Mittwoch zwar mit dem Bericht über die Flops der OeBS; etwaige Beteiligungsverkäufe stehen aber nicht auf seiner Agenda. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.9.2004)

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