8.9.: "Prestige erschlichen"

14. September 2004, 16:51
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Der Autoren-Exodus in Sachen "Austrokoffer" hält an

Wien - Die Autorenverluste, die der literarische "Austrokoffer" erleidet, wachsen praktisch täglich: Nach Ilse Aichinger (DER STANDARD berichtete) und Michael Scharang, der argwöhnt, dass "Anwälte und Richter bereits auf dem Austrokofferdeckel Platz" genommen hätten, haben gestern auch Kathrin Röggla, Barbara Frischmuth und Josef Haslinger ihre Nichtmitwirkung an dem Prestigeprojekt bekannt gegeben.

Romanautorin Marianne Fritz, deren Werk Schwerkraft der Verhältnisse von Herausgeber Günther Nenning als Beitrag genannt worden war, verbietet sich gegenüber dem STANDARD ihrerseits die nachträgliche Aufnahme in den Koffer: "Ich will mit dem Ganzen nichts zu tun haben!" Aber auch die Rechtsinhaber bereits verstorbener Autoren zeigen sich nicht durchwegs teilnahmebereit. So teilte Franz Richard Reiter vom Ephelant Verlag der Geschäftsführung von Ueberreuter mit, dass er keine Gedichte von Michael Guttenbrunner zur Verfügung stellen werde.

Von "Erschleichung" von Prestige ist die Rede: "Ich untersage Ihnen, das Prestige vom Michael Guttenbrunner zu missbrauchen. Er ist nämlich nicht Autor Ihres Projekts." Und weiter: "Michael Guttenbrunner wird u. a. deshalb nicht in dieser Anthologie erscheinen, weil er zeit seines Lebens Wendehälse und Menschenverächter wie Günther Nenning ekelnd ablehnte und mit Nenning keine wie auch immer geartete Gemeinsamkeit wollte." Der abgespeckte Koffer soll gleichwohl im Jänner 2005 erscheinen. (poh/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 9. 2004)

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