ÖGB: "Das macht böses Blut"

8. September 2004, 11:02
posten

Gewerkschaftsfusion droht zu scheitern

Die geplanten großen Fusionen der Teile des ÖGB zu großen Blöcken funktioniert nicht wie geplant - ab Mittwoch werden Alternativen gesucht. Der Druck ist groß, der Spielraum klein.

***

Wien - Offiziell braucht sich das am Mittwoch zusammentretende ÖGB-Präsidium nicht um die organisatorischen Probleme zu kümmern. Die geplanten Fusionen stehen auch nicht auf der Tagesordnung - aber den Berichten der Teilgewerkschaften wird zu entnehmen sein, dass die Projekte zur Bildung von großen Blöcken gescheitert sind.

"Man sucht jetzt Gründe, aus dem Projekt auszusteigen", beobachtet ÖGB-Vizepräsident Karl Klein, "denn man merkt offenbar, dass die Kulturen nicht zusammenpassen." Arbeiter und Angestellte hätten eben nicht ganz dieselben Interessen - schon gar nicht in Betrieben, wo die Angestellten eben typischerweise die Chefs der Arbeiter sind.

Abgekühlt sei die Liebe zur Blockbildung aber auf Sekretärsebene: "Viele Akteure der zweiten Reihe haben gemerkt, dass ein persönlicher Aufstieg für sie nicht drinnen ist", stellt Klein fest.

Die Vorsitzenden der großen Gewerkschaften GPA (Hans Sallmutter, Chef über 287.558 Privatangestellte) und Metall (Rudolf Nürnberger, 211.300 Arbeiter) waren einander zwar immer kritisch gegenübergestanden. Dennoch hatten sie am 8. Oktober 2001 ziemlich überraschend eine Zusammenlegung ihrer Organisationen angekündigt, ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch durfte dabeisitzen und die Pläne abnicken. Daraufhin entstand das Projekt "G4", dem sich auch die Agrar-Nahrung-Genuss-Gewerkschaft und Druck-Journalismus-Papier anschlossen.

Es sind vor allem die kleinen Gewerkschaften, die dringend Kooperationen brauchen, betont Klein im STANDARD-Gespräch: "Finanziell sind kleine Gewerkschaften zu schwach, um das Service bieten zu können, das Mitglieder zu Recht erwarten. Auch der ÖAMTC hat ja nicht deswegen viele Mitglieder, weil er eine so gute Politik für Autofahrer macht - sondern weil sich die Mitglieder auf den Pannendienst verlassen können." Gerade die letzten drei Jahre hätten aber gezeigt, dass die Prozesserfolge für die Mitglieder immer geringer werden, Funktionäre schwerer zu erreichen sind und vor allem in Kleingewerkschaften nicht genug geboten werden könne: "Das macht schon böses Blut", sagt Klein. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.9.2004)

Share if you care.