Cadmium entwaffnen

13. September 2004, 11:24
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Forscher versuchen, dem Schwermetall den Zugang zur Zelle verbauen

Witten/Herdecke - Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke sind einer Möglichkeit Cadmium zu entschärfen auf der Spur. Das gefürchtete Schwermetall ist nämlich mitverantwortlich für die Entstehung von Nierenkrebs. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt sucht nach Wegen, dem gefürchteten Schwermetall den Zugang zur Zelle zu verbauen, ohne nützliche Metalle wie Eisen zu blockieren.

Cadmium reichert sich ausgerechnet in Fisch und Gemüse an. Diese Nahrungsmittel sind nicht nur beliebt, sondern auch gesund. "Die Verunreinigung der Umwelt mit dem Schwermetall wird weltweit weiter zunehmen", befürchtet Frank Thevenod, Leiter des Instituts für Physiologie und Pathophysiologie an der Universität Witten/Herdecke. Daher wird nun intensiv nach Wegen gesucht, den menschlichen Körper wirkungsvoller dagegen zu schützen. Der Forscher, der ein Spezialist für so genannte Epithelien (Grenzflächen im Inneren des menschlichen Körpers, über die der Stoffaustausch geregelt wird) ist, erforscht zunächst, auf welchen Wegen sich Cadmium im menschlichen Körper anreichert und wie man den Schadstoff und andere, für Krebs mitverantwortliche Schwermetalle, künftig daran hindern kann.

Aufnahme über Epithelien

Die Aufnahme des Schwermetalls erfolgt zum größten Teil über die Epithelien des menschlichen Darms. Normalerweise können diese Grenzgewebe, an denen der nährstoffhaltige Speisebrei vorbeigeleitet wird, sehr genau unterscheiden zwischen guten und schlechten Stoffen. Bei Cadmium versagt das Unterscheidungsvermögen der Epithelien, weil das Schwermetall sich als Eisen tarnt und daher als "guter Stoff" aufgenommen wird. Cadmium reichert sich in Organen, vor allem in Niere, Knochen und Leber, an, und verdrängt dort das Eisen aus seinen Verbindungen mit Zellbestandteilen, die für die normale Funktion der Organe lebenswichtig sind. Das freigewordene Eisen ist jedoch aggressiv. Es entstehen Sauerstoffradikale, die Zellen und Gewebe schließlich zugrunde richten oder Mutationen bewirken. Nach Erforschung der Wege, über die die nützlichen Metalle die Zelle erreichen, kann man diese möglicherweise gezielt einsetzen, damit sie in Konkurrenz zu den giftigen Metallen treten, meint der Forscher.

Doch wäre auch ein anderer Weg vorstellbar: "Wir müssen lernen, wie Zellen Strategien entwickeln, um sich vor Cadmium zu schützen, und dann Medikamente entwickeln, die diesen Abwehrvorgang der Zellen unterstützen", so Thevenod. (pte)

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