Geheimniskrämerei zu Lasten von Krebspatienten

13. September 2004, 11:38
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Pharmakonzerne sollen Schlüsselinformationen zurückhalten

Exeter - Mediziner vermissen Schlüsselinformationen bei Krebsmedikamenten, weil Pharmakonzerne diese aus Konkurrenzgründen zurückhalten. Zu diesem Ergebnis kommen Experten der Cancer Research UK, einer Non-Profit-Organisation. Am Schlimmsten sei das Zurückhalten von klinischen Testergebnissen.

"Wenn klinische Testergebnisse zurückgehalten werden, wird der gesamte Prozess bei der Entwicklung neuer Medikamente verlangsamt", so Richard Sullivan, Chef der klinischen Programme bei Cancer Research UK. Besonders tragisch daran sei auch, dass andere Untersuchungen damit hinfällig seien, da die gleichen Untersuchungen doppelt ausgeführt würden. "Die Mediziner müssen die Resultate von Untersuchungen kennen, um sich ein Bild der Wirkungsweise von Medikamenten zu machen und eventuell auf andere Medikamente ausweichen", argumentiert Sullivan. Im Unterschied dazu sei es im Uni-Betrieb üblich, Testergebnisse zu publizieren. "Aus Gründen geheimer Business-Informationen bleiben viele Ergebnisse aber hinter dicken Mauern verborgen", so der Forscher. Die Mediziner fordern die Industrie daher zu besserer Kooperation auf.

Die Experten wissen genau, wovon sie sprechen, denn eine Untersuchung im Jahr 2003 bei 500 klinischen Tests ergab, dass 26 Prozent auch nach fünf Jahren immer noch nicht vollständig veröffentlicht waren. "Alle Forscher, egal ob Kliniker oder nicht, tragen die Verantwortung sicherzustellen, dass ihre Daten einer weiten Gemeinschaft offen stehen", so der Onkologe Fran Balkwill. Ein weiterer Kritikpunkt der Experten war auch, dass nur positive Tests publiziert werden, negative hingegen nicht. (pte)

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