Billa in der Offensive

20. September 2004, 16:39
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Während Rewe Austria nun in die Offensive geht, bereitet die Arbeiterkammer Musterformulare für "private" Zeitaufzeichnungen von Angestellten vor

Wiener Neudorf/Wien – Bei Rewe Austria (Billa, Merkur, Bipa, Mondo/Penny, Emma) gibt es seit wenigen Tagen eine neue "Task-Force Arbeitsrecht". Diese solle "jedem bekannt gewordenen Vorwurf gemeinsam mit dem Betriebsrat unmittelbar nachgehen", heißt es. Sogar eine Public-Relations-Agentur wurde beauftragt, um Kontakt mit der Öffentlichkeit zu halten – ganz im Gegensatz zu den sonstigen Usancen des Marktführers unter den Supermarktketten.

Wie berichtet, haben ehemalige Mitarbeiter von nicht ordnungsgemäß bezahlten Überstunden berichtet – etwa mittels Gutscheinen, jedenfalls an der Lohnverrechnung vorbei. Die Sozialversicherung leitete daraufhin eine Sonderprüfung von Rewe Austria ein, um zu eruieren, ob wirklich Abgaben verkürzt worden seien. Die Arbeiterkammer berichtete daraufhin von Hunderten Angestellten der diversen Vertriebsschienen des Rewe-Konzerns, die sich über generell nicht bezahlte Mehrarbeit beklagten.

"Tragen besondere Verantwortung"

Unter dem Druck der Öffentlichkeit – und der Zentrale in Köln – ging das Spitzenmanagement von Rewe Austria – Konzernherr Veit Schalle und Billa-Chef Wolfgang Wimmer – in die Offensive. Man ersuchte die AK Niederösterreich um ein einschlägiges Gespräch. Dieses fand am Dienstagnachmittag statt. Danach ließ Rewe-Chef Schalle verlauten: "Als größter privater Arbeitgeber Österreichs tragen wir eine besondere Verantwortung. Wir haben daher größtes Interesse an einer schnellen und lückenlosen Aufklärung." Weitere Gespräche mit Wirtschaftskammer und Gewerkschaft würden folgen. Weiters würde eine Ombudsstelle des Konzernbetriebsrats eingerichtet. AK-NÖ-Präsident Josef Staudinger bezeichnete das Treffen als "eher konstruktiv".

Formular für "private" Stundenaufzeichnung

Doch die Arbeiterkammer will den Anlass nützen, um den Angestellten nun ein Instrument zur Verfügung zu stellen, mit dem man eventuelle unbezahlte Mehrarbeit zumindest dokumentieren kann – etwa für arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen. Ein Formular für eine "private" Stundenabrechnung soll dann ins Internet gestellt werden, kündigte Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm Dienstag an. AK-Jurist Hans Trenner: "Damit hat man vor Gericht zumindest ein Quäntchen einer Chance." Denn Überstunden in die offizielle Abrechnung einzutragen, dies werde "von oben untersagt".

Auffällig sei jedenfalls, dass es signifikant mehr Beschwerden in Sachen Billa gebe als von Spar- oder Hofer-Mitarbeitern. "Dort sind es Einzelfälle, aber kein offensichtliches System." Dies sei so, vermutet Trenner, weil bei Rewe die "Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft im Gegensatz zu Spar nicht so ausgeprägt sei". Der "System"-Vorwurf wurde jedenfalls Dienstag von der Task-Force erneut zurückgewiesen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.9.2004)

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