Die Zukunft im Tierversuch

7. September 2004, 15:33
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Wien - Entscheidend sind die Erfolge der Transplantationsmedizin beim Menschen. Doch zahlreiche Projekte, die derzeit noch im Tierversuch erprobt werden, könnten in Zukunft eine Ausstrahlung weit über den Bereich der Organverpflanzungen haben. Einige noch in früher Entwicklung stehende Ideen der Wissenschafter, die am Dienstag bei dem internationalen Kongress präsentiert wurden.

  • Kanadischen Wissenschafter von der Universität von Western Ontario ist es erstmals gelungen, eine Immuntoleranz gegenüber einem fremden Organ von einem Organismus auf einen anderen zu übertragen. Sie isolierten aus dem Blut von Mäusen, denen Herzen implantiert worden waren, jene Immunzellen, welche eine Abstoßung verhinderten. Dann übertrugen sie diese Zellen auf andere Mäuse und führten auch bei ihnen Transplantationen durch. Das Ergebnis: Die Immuntoleranz war offenbar "infektiös". Dies könnte eine neue Möglichkeit für die Vermeidung von Abstoßungsreaktionen eröffnen.

  • Ein neues Medikament zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion nach Organtransplantationen könnte ein Mittel zur Verhinderung von Typ-1-Diabetes (juveniler Diabetes) werden. Die Substanz FTY720 "fesselt" die dafür verantwortlichen Immunzellen in den Lymphknoten. Beim Typ-1-Diabetes greifen sie jene Zellen in der Bauchspeicheldrüse an, welche das Insulin produzieren. US-Wissenschafter (Beth Israel Deaconess Medical Center/Boston) begannen deshalb Mäuse, die genetisch bedingt frühzeitig an Diabetes erkranken, prophylaktisch mit dem Medikament zu behandeln. Das Ergebnis: Die Tiere entwickelten die Stoffwechselerkrankung so lange nicht, als sie das Medikament erhielten. Danach kam es zum schnellen Ausbruch der Zuckerkrankheit.

  • Australische Wissenschafter (University of Technology/Sydney) haben bei Ratten eine Gentherapie gegen Diabetes erfolgreich getestet. Die Tiere wurden künstlich zuckerkank gemacht. Dann erhielten sie das Gen für die Insulinproduktion - normalerweise erfolgt sie in den Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse - mit einer Genfähre in eine Leberarterie injiziert. Das Resultat: Schon binnen 48 Stunden kam es wieder zu einer körpereigenen Insulinproduktion. Bei den Versuchstieren normalisierten sich die Blutzuckerspiegel über einen Zeitraum von elf Monaten hinweg. (APA)
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