Stuntflieger fangen Sonnenstaub-Sonde auf

8. September 2004, 18:14
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Drei Jahre lang war "Genesis" jenseits von Erde und Mond unterwegs

Washington - Sie haben eine ebenso poetische wie gefährliche Mission: Sechs US-Piloten sollen den Menschen am Mittwoch ein Stück Sonne auf die Erde holen. Mit zwei Hubschraubern will die NASA die Weltraumsonde "Genesis" auffangen, während diese an einem Fallschirm auf die Erde schwebt. Drei Jahre und 32 Millionen Kilometer hat "Genesis" zurückgelegt, um Sonnenstaub zu sammeln - das erste außerirdische Material, das je außerhalb unserer Mondumlaufbahn gesammelt und zur Erde gebracht werden wird. Weltraumforscher wollen damit die Formation der Planeten unseres Sonnensystems und seine Entstehung vor 4,5 Milliarden Jahren besser verstehen lernen.

Komplexes Landemanöver

NASA-Berechnungen zufolge müsste die "Genesis" am Mittwoch, 17.55 Uhr, über einem US-Luftwaffenstützpunkt im Südwesten von Salt Lake City in die Erdatmosphäre eindringen, vier Stunden nachdem das Hauptschiff sie abgeworfen hat. Sobald sie noch 33 Kilometer vom Erdboden entfernt ist, sollen sich zwei Fallschirme öffnen: erst ein kleinerer zur Stabilisation, sechs Minuten später ein großer Fallschirm.

Dann treten die zwei Hubschrauber, beide mit einer dreiköpfigen Besatzung, auf den Plan: Die Mannschaft des ersten Hubschraubers wird versuchen, die Sonde mit einer sechs Meter lange Stange und mit langem Haken am Fallschirm aufzufangen. Wenn das nicht klappt, wartet ein paar hundert Meter unterhalb der zweite Helikopter. Laut dem zuständigen NASA-Projektleiter haben die Piloten Zeit für insgesamt fünf Fangversuche. Spektakuläre Einsätze sind sie ohnehin gewohnt: Für die Mission wurden laut NASA Stuntflieger aus großen Hollywood-Actionproduktionen rekrutiert.

Ein "Schmuckstück" von Sonde

Die Sonde "Genesis" war im August 2001 ins All geschickt worden und platzierte sich auf dem so genannten Lagrange-Punkt 1, wo sich die Anziehungskraft von Erde und Sonne genau die Waage halten. Dort sammelte sie Partikel des Sonnenwinds ein. Es handelt sich um geladene Teilchen, die von der Sonne ins All strömen. Dafür ist die 494 Kilogramm schwere Sonde mit Sensoren aus Diamanten, Gold, Silicium und Saphiren ausgestattet, die die ionisierten Partikel auffingen. "Genesis" wird voraussichtlich zehn bis zwanzig Mikrogramm der unsichtbaren Teilchen mitbringen. Sie sollen in einem NASA-Zentrum bei Houston in Texas aufbewahrt und analysiert werden. (APA)

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    Raumsonde Genesis

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    Wie einst Prometheus bringt Sonde "Genesis" der Menschheit das Licht.

  • Die Computersimulation der Nasa zeigt, wie ein Hubschrauber, ausgerüstet mit langer Hakenstange, den Fallschirm der Raumsonde "Genesis" fassen soll.

    Die Computersimulation der Nasa zeigt, wie ein Hubschrauber, ausgerüstet mit langer Hakenstange, den Fallschirm der Raumsonde "Genesis" fassen soll.

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