Nierentransplantation fast ohne Immunsuppression

7. September 2004, 13:47
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US-Wissenschafter erprobten Vorbeugung gegen Abstoßungsreaktion

Wien - Das Los von Organempfängern: Die meisten von ihnen müssen lebenslang Medikamente einnehmen, welche eine Abstoßungsreaktion verhindern. Doch das könnte in Zukunft wesentlich reduziert werden, wenn sich die Resultate von führenden US-Experten bestätigen, die am Dienstag beim Internationalen Transplantationskongress in Wien präsentiert wurden: Eine Art Prävention erspart die langfristige medikamentöse Therapie.

"Wir haben Licht in jene Vorgänge gebracht, die zum sicheren Einbau eines fremden Organs in den Organismus des Empfängers führen. Daraus entwickelten wir eine Strategie, die eine solche Toleranzentwicklung fördern soll", erklärte Dr. Ron Shapiro vom in Fachkreisen weltbekannten Thomas E. Starzl-Transplantationszentrum der Universität von Pittsburgh (Pennsylvania/USA).

Nebenwirkungen sollen ausgeschaltet werden

Der erwartete Vorteil eines solchen Vorgehens: Durch eine möglichst große Reduktion der Einnahme der üblichen immunsupprimierenden Medikamente sollen die Nebenwirkungen - zum Beispiel Nierenversagen bzw. langfristig Krebs - vermieden werden. Die US-Wissenschafter behandelten deshalb 96 erwachsene Patienten, die Spendernieren erhalten sollten, unmittelbar vor dem Eingriff mit dem monoklonalen Antikörper Alemtuzumab. Dieser Antikörper beseitigt im Blut zu einem hohen Grad jene weißen Blutkörperchen, die eine Abstoßungsreaktion auslösen können.

Nach der Transplantation bekamen die Patienten nur noch ein Medikament zur Bekämpfung einer allfälligen Immunreaktion, nämlich Tacrolimus. Bei 76 Prozent der Organempfänger wurde dann nach einiger Zeit begonnen, auch dieses Medikament so weit wie möglich zu reduzieren.

Nur bei vier der Patienten entwickelte sich darauf hin eine Abstoßungsreaktion (5,5 Prozent). 40 Prozent benötigen das Arzneimittel nur noch jeden zweiten Tage, 30 Prozent kommen mit drei Mal wöchentlicher Einnahme aus. Ein Patient braucht es nur alle drei Tage. Das bedeutet jedenfalls eine radikale Verringerung der Dosis und soll langfristig auch bessere Ergebnisse bringen. (APA)

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