Nieren-Spenden von Lebenden funktionsfähiger als von Toten

7. September 2004, 13:09
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Dies gilt jedenfalls für Patienten mit endgültigem Nierenversagen

Wien - Nieren von lebenden Spendern funktionieren besser als jene von Hirntoten, wenn sie Menschen mit endgültigem Nierenversagen implantiert werden. Entsprechende Programme können auch einen Teil der Knappheit an Spenderorganen überwinden helfen. Unter strengen Richtlinien sei das eine sichere Strategie, erklärten Experten beim Internationalen Transplantationskongress in Wien.

Die Nieren-Lebendspende gibt es seit Jahren, also seit der ersten erfolgreichen Nierentransplantation. Damals wurde die Niere eines eineiigen Zwillings dessen Bruder übertragen. In den USA kamen im Jahr 2002 auf eine Million Einwohner bereits 21,5 Nierentransplantationen von lebenden Spendern (Österreich: 5).

Sowohl Nieren von Verwandten als auch von Partnern zeigen nach der Implantation bessere Funktionsraten. Wer alldings noch eine Niere hat, kann im Laufe seines weiteren Lebens eher in Gefahr kommen, selbst an Nierenversagen zu erkranken. Mediziner betonten am Dienstag in einer Expertendiskussion, dass Nierenspender auch nach der Transplantation ein Anrecht auf medizinische Kontrolle haben sollten. Die wohl größte Gefahr für sie sei ein nicht ausreichend therapierter Bluthochdruck, der die verbliebene Niere chronisch schädige.

Richtlinien

Die von einem internationalen Forum von Transplantationsexperten formulierten Richtlinien umfassen für den Lebend-Organspender (Niere) unter anderem folgende Voraussetzungen:

  • Umfassende medizinische und psychosoziale Untersuchung

  • Vermeidung von Interessenkonflikten und unabhängige Beratung

  • Der Nieren-Spender sollte genug Zeit für eine rationale Entscheidung haben ("cooling off"-Periode)

  • Umfassende Information über allfällige Risiken

  • Entscheidung für Nieren-Spende auf völlig freiwilliger Basis

  • Der Organspender muss die Möglichkeit haben, die Vorbereitungen dazu jederzeit abzubrechen.

    (APA)

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