Xenotransplantation: Historie eines immunologischen Problems

7. September 2004, 12:56
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Wien - "Xenotransplantation": Hinter diesem Begriff verbergen sich viele Hoffnungen, aber auch viele Schwierigkeiten, die auf die Medizin bis zur Realisierung solcher Projekte noch warten. Die Übertragung von Zellen, Geweben oder ganzen Organen über Artgrenzen hinweg ist ein Traum, den Mediziner im Grunde schon seit Jahrhunderten realisieren wollen:

  • Die bereits im 17. und 18. Jahrhundert versuchten Bluttransfusionen von Tieren auf den Menschen waren die ersten derartigen Experimente.

  • Im 19. Jahrhundert wurden Hauttransplantationen vom Frosch auf den Menschen unternommen. - Mit keinem Erfolg.

  • Erst als in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Transplantationsmedizin ihren großen Aufschwung nahm, wurde schließlich vermehrt auch an die Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen gedacht. Der Grund dafür: die Knappheit an menschlichen Spenderorganen. In den USA bekommt beispielsweise nur ein geringer Prozentsatz der für eine Herztransplantation in Frage kommenden schwerkranken Patienten ein Spenderorgan.

  • So wurden bisher um die siebzig Organtransplantationen - von Primaten als Spendern - beim Menschen durchgeführt. 1964 wurde erstmals über erfolgreiche Kurzzeitergebnisse mit transplantierten Schimpansennieren beim Menschen berichtet. Die Nieren funktionierten bis zu neun Monate lang.

  • Rund um den Erdball gingen 1985 die Meldungen über Baby Fae (USA). Das Neugeborene hatte das Herz eines Pavians implantiert bekommen. Es starb vier Wochen nach dem Eingriff.

  • Bessere Ergebnisse wurden mit der Transplantation von Beta-Zellen (Insulinproduktion) von Nicht-Primaten auf Menschen zur Behandlung von Diabetes erzielt.

    Doch der Übertragung von Primaten-Organen auf den Menschen stehen viele Bedenken - auch jene des Tierschutzes - gegenüber. Daher wird seit Jahren verstärkt nach Möglichkeiten gesucht, vor allem Schweine als mögliche Organspender für den Menschen zu züchten. Deren Organe entsprechen in Funktion und Größe einigermaßen jenen des Menschen. Weiters sind diese Tiere leicht und relativ schnell zu züchten.

    Doch die große Schwierigkei ist das Überspringen der Artengrenze vom Schwein zum Menschen ist immunologisch noch viel schwieriger als zu Primaten (z.B. Schimpansen). Das beruht auf der großen entwicklungsgeschichtlichen immunologischen "Distanz" zwischen Mensch und Schwein. (APA)

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