Transgene Herzen sollen Erfolg bringen

7. September 2004, 12:38
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Um die natürliche Abstoßungsreaktion zu überwinden, setzen Wissenschafter auf Expression von Antithrombose-Faktoren im Spenderorgan

Wien - Die hyperakute Abstoßungsreaktion, die bei Xenotransplantationen von Organen über Artengrenzen hinweg binnen Minuten auftritt, kann offenbar überwunden werden. Doch danach folgt eine akute humorale Abstoßungsreaktion (AHXR), die vor allem auf der Bildung von Thrombosen in den Gefäßen des Spenderorgans basiert. Ein britisches Wissenschafterteam um Univ.-Prof. Dr. Robert I. Lechler vom Imperial College in London versucht diese Hürde durch eine weitere genetische Veränderung bei den Tieren zu überwinden, welche als Organspender dienen sollen: Durch die Expression von Antithrombose-Faktoren im Spenderorgan.

"Diese aggressive humorale Immunantwort stellt weiterhin eine Limitierung für das Überleben von Schweineorganen in Primaten dar. Und weil Thrombosen in den Blutgefäßen und eine generelle Thrombosereaktion im Organismus die wichtigsten Merkmale dieser Abläufe sind, haben wir eine neue Hypothese entwickelt und sie ausgetestet: Durch die Expression von Thrombose-hemmenden Faktoren in den artfremden Organen könnte man womöglich diesen Prozess verhindern", stellte Lechler aus Anlass des XX. Internationalen Kongresses der Transplantation Society in Wien fest.

Die im Rahmen von AHXR binnen Stunden bis Tagen nach einer Xenotransplantation auftretenden Thrombosen verstopfen die Blutgefäße des Spenderorgans nach der Transplantation und führen so zu seinem Versagen. Die im ganzen Organismus auftretenden Blutgerinnsel wären auch sonst ein enormes Risiko für den Organempfänger.

Versuch mit genetisch veränderten Mäusestämmen

Das Team um Lechler züchtete deshalb zwei verschiedene Stämme von Mäusen. Sie sind genetisch so verändert, dass die Endothelzellen ihrer Herzen zwei natürliche Antithrombose-Substanzen produzieren: Human Tissue Pathway Inhibitor (TFPI) beziehungsweise Hirudin.

Hirudin ist das aus den Blutegeln stammende Protein, das die Gerinnung des menschlichen Blutes sehr stark hemmt und aus gentechnischer Produktion auch in der Medizin eingesetzt wird. TFPI greift ebenfalls massiv in die Blutgerinnung ein. Endothelzellen sind jene Zellen, welche die Blutgefäße innen auskleiden. Sie sind entscheidend für das Funktionieren des Gefäßsystems. Herzen von Mäusen, welche diese Faktoren in der Zellmembran von Endothelzellen bildeten, wurden Ratten eingepflanzt. Im Vergleich zu Herzen von nicht-transgenen Tieren einer Kontrollgruppe, die alle binnen drei Tagen abgestoßen wurden, zeigten sich die transgenen (Maus-)Herzen zu hundert Prozent resistent gegen die humorale Abstoßungsreaktion.

Die über die Artengrenzen hinweg übertragenen Organe funktionierten in den Ratten länger als hundert Tage, wenn gleichzeitig mit Cyclosporin A eine herkömmliche medikamentöse Blockade der durch die T-Zellen der Ratten verursachten Abwehrreaktion erfolgte. Die Strategie könne auch in Tierarten - zum Beispiel in Schweinen - verwendet werden, die für die Realisierung der Xenotransplantation beim Menschen relevant sind. (APA)

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