Neue Diskussion um Vorm Walde-Nachfolge als Holding-Chef

9. September 2004, 15:25
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Aufsichtsrat entscheidet am 23. September über Nachbesetzung des Moser-Postens - Reithofer: "Anlass, über alles zu reden"

Wien - Die Nachfolge des derzeitigen Generaldirektors der ÖBB-Holding, Rüdiger vorm Walde, steht neuerlich zur Diskussion. Der Aufsichtsrat der ÖBB will am 23. September über die zukünftige Konstellation an der Bahnspitze beraten, sagte ÖBB-Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer auf Anfrage der APA.

Erst vor zwei Wochen war Vorm Walde vom Aufsichtsrat zum Personenverkehrschef der ÖBB ernannt worden. Damals hatte es so ausgesehen, als ob der gebürtige Deutsche vorerst auch Generaldirektor der Holding bleiben würde.

Nun könnte Vorm Walde aber offenbar als Holding-Generaldirektor degradiert werden und bis zum Ablauf seines Vertrages (am 1. August 2006) nur noch "einfacher" Holding-Vorstand bleiben.

Moser-Nachfolge

Hintergrund ist die ebenfalls in zwei Wochen anstehende Entscheidung, wer dem neuen Rechnungshofpräsidenten Josef Moser im ÖBB-Holding-Vorstand nachfolgen soll. In ÖBB-Kreisen wird spekuliert, dass die Politik wie schon bei der ursprünglichen Nominierung Mosers im April die Gelegenheit erneut nützen und eine Vorentscheidung über die Vorm Walde-Nachfolge erreichen wolle.

Aufsichtsratspräsident Reithofer erklärte, die Entscheidung über die Nachbesetzung des Moser-Postens sei grundsätzlich "ein Anlass, um über alles zu reden" und "die künftige Konstellation" der neuen ÖBB-Führung festzulegen. Spekulationen über Druck der Regierung weist er aber zurück. "Die Entscheidung trifft der Aufsichtsrat, nicht die Politik. Da bin ich sicher", so der ÖBB-Präsident.

Als ausichtsreichster Kandidat gilt der derzeitige Generaldirektor der Autobahngesellschaft Asfinag, der als FPÖ-nahe geltende Walter Hecke. Nach Verwirrungen um dessen Bewerbung, die nur per E-Mail eingegangen sein soll, bestätigte Reithofer am Dienstag erneut Heckes Kandidatur: Entscheidend sei "nicht die Form der Bewerbung, sondern die Qualität des Kandidaten". Neben Hecke gebe es aber noch ernst zu nehmende weitere Bewerber, so Reithofer.

34 Interessenten

Aus insgesamt 34 Interessenten soll der Personalberater Egon Zehnder dem Vernehmen nach bereits eine Short-List von fünf Kandidaten erstellt haben. Beworben haben dürfte sich unter anderem auch der Generalsekretär des Verkehrsministeriums, Friedrich Rödler.

Rödler war 2001 auf Drängen von Vizekanzlerin und FP-Parteichefin Susanne Riess-Passer vom Rechnungshof ins Verkehrsministerium gewechselt. Er selbst wollte seine Kandidatur für den ÖBB-Vorstand auf APA-Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Nicht bestätigt hat sich hingegen das Gerücht über eine Kandidatur von Christian Ebner, dem Kabinettschef von Vizekanzler Hubert Gorbach (F).

Weitere offene Stellen

Am 23. September will der ÖBB-Aufsichtsrat außerdem über die Besetzung der noch offenen Vorstands- und Geschäftsführerposten in der Güterverkehrs AG, der Immobilien GmbH und der neuen Personalgesellschaft, der Dienstleistung GmbH (DLG) entscheiden.

Für den Güterverkehr wurde neben dem bereits nominierten derzeitigen ÖBB-Personen- und Güterverkehrschef Ferdinand Schmidt zuletzt der Generaldirektor der ÖBB-Speditions Holding, Gustav Poschalko, als zweiter Vorstand gehandelt. Als Favorit für den Posten in der Immobilien GmbH gilt der FP-nahe Gutachter Detlev Gross, der als Sachverständiger unter anderem Wohnungen der Bundesimmobiliengesellschaft BIG bewertet hat, und in der DLG wurde zuletzt der derzeitige TA-Personalchef Franz Nigl als Favorit gehandelt. (APA)

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