Informationstechnologie von "Grid"-Struktur weit entfernt

10. September 2004, 12:06
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Aber der Weg ist mühsam, stellt Oracle fest. Das Interesse an der Übernahme von Peoplesoft ist ungebrochen.

Vor einem Jahr hat Oracle, Hersteller von Datenbanken und Unternehmensanwendungen, sein System des "Grid-Computing" vorgestellt. Das Modell ist wie sein Name an einem Stromnetz angelehnt: Das Netz liefert eine konstante Spitzenleistung, die durch Zulieferung einzelner Kraftwerke - in diesem Fall Computer - je nach Bedarf unterschiedlichen Anwendern zur Verfügung gestellt wird.

"Wir stehen auf dem Grid-Index"

Aber noch sind Bewusstsein und technische Möglichkeiten dafür gering, stellte Oracle jetzt bei seiner ersten europaweiten Studie zum Thema fest: "Wir stehen auf dem Grid-Index" - einer Skala von 0 bis 10 - "derzeit bei 3,1, oder man könnte auch sagen: Wir haben erst 30 Prozent des Weges hinter uns gelegt", sagt der für Europa, den Nahen Osten und Afrika (EMEA) zuständige Oracle Vizepräsident Sergio Giacoletto Montag bei der Oracle Open World in London. "Wir sind mit der Evolution von Gridcomputing dort, wo das Internet 1989 war."

"Wir stoßen an die Grenzen des Moore'schen Gesetzes"

Dabei sprechen viele Industrietrends für diese Entwicklung, erklärt Oracle-Präsident Charles Phillips. "Wir stoßen an die Grenzen des Moore'schen Gesetzes" - wonach sich Rechenleistung etwa alle 18 Monate verdoppelt - "also baut man Maschinen mit mehreren Prozessoren", nennt Phillips einen Trend.

Ein weiterer: Ein Schub beim Datenanfall um das "Zwei- bis Dreifache" in den nächsten Jahren. Sowohl die Zahl der Transaktionen als auch der Umfang der Daten nimmt zu. "Vertikal integrierte" Unternehmen, die früher alles selbst gemacht haben, kooperieren heute mit Partnern bei der Produktion - was den Datenaustausch mit vielen Partnern "in real time" nötig macht. Oder das Beispiel von RFID-Chips zur Identifizierung von Waren oder für Sicherheitschecks, wodurch viele neue Daten anfallen.

Um mit diesen Entwicklungen zurechtzukommen, sieht Phillips nur eine Lösung: Aus weniger mehr zu machen, denn auch bei der IT werden Budgets immer knapper.

Kapazitätenbündelung

Robert Leaman von der IT der Deutschen Post hat diese Erfahrungen in einzelnen Bereichen bereits gemacht. Derzeit durchforste man einzelne Bereiche danach, welche Spitzenanforderungen welche Anwendungen stellen; denn werden Programme so gepaart, dass sie gemeinsam mit Servern auskommen, statt jedem Programm seine eigenen Maschinen zu geben. "Wir haben rund 1000 Server, wenn wir diese im Grid statt nur für einzelne Aufgaben nutzen, erhöht das Flexibilität und Skalierbarkeit", sagt Leaman.

"Es gibt nicht oft Gelegenheit dazu, gleichzeitig Geld zu sparen und Kapazitäten zu erhöhen", sagt Phillips. Für die Anbieter selbst ist dies keine wirklich erfreuliche Entwicklung, aber sie sei unvermeidlich, so wie PCs frühere Systeme obsolet machten. Das sei auch der Grund für das feindliche Übernahmeangebot an den Konkurrenten Peoplesoft, das von dessen Vorstand heftig bekämpft wird. "Die IT-Industrie hat Überkapazitäten", sagt Phillips, eine Konsolidierung unvermeidlich. "Oracle hat ebenso wie andere Einschnitte machen müssen."

Interesse

Phillips bestätigte auf Anfrage von DER STANDARD, dass das Interesse an einer Übernahme ungebrochen sei, den Ablauftermin (10. September) für das Angebot "sollten Sie nicht so ernst nehmen. Wir haben dieses Angebot schon fünfmal verlängert." Die Übernahme wird auch vom US-Justizministerium vor Gericht bekämpft, eine Entscheidung des Gerichts wird Ende September erwartet. Auch in der EU ist ein Prüfverfahren weiterhin offen. (spu, Der STANDARD Printausgabe, 7. September 2004)

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