Ruhrfestspiele: Neuer Leiter avisiert

8. September 2004, 15:46
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Aufsichtsrat entscheidet Mittwoch - Frank Hoffmann und Peter Stein gelten - inoffiziell - als Favoriten

Recklinghausen/Berlin - Der Aufsichtsrat der Ruhrfestspiele Recklinghausen entscheidet an diesem Mittwoch über einen neuen künstlerischen Leiter des Festivals. Nach der vorzeitigen Entlassung des Berliner Theaterchefs Frank Castorf soll zunächst eine Interimslösung bis zur Spielzeit 2006 gefunden werden, erfuhr dpa am Montag. "Der Vertrag könnte aber durchaus verlängert werden, wenn es einen durchschlagenden Erfolg gibt", betonte der Sprecher der Stadt Recklinghausen, Reinhold Hegemann.

Bewerbungen nach "gewisser Schamfrist" eingegangen

Laut Hegemann haben die Gesellschafter trotz der Querelen der vergangenen Monate durchaus eine gute Auswahl für den Posten: "Nach einer gewissen Schamfrist haben sich doch einige Bewerber bei der Stadt gemeldet." Die Ruhrfestspiele werden seit 1947 von der Stadt Recklinghausen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) getragen und vom Land NRW mit finanziert.

Inoffizielle Favoriten

Nach einem Bericht der "Recklinghäuser Zeitung" (Montagsausgabe) gilt der Intendant der Theatres de La Ville in Luxemburg, Frank Hoffmann, als der aussichtreichste Kandidat. Hoffmann hatte bereits zu Zeiten des Festspielleiters Hansgünther Heyme mit den Ruhrfestspielen bei mehreren Inszenierungen kooperiert. Auch der prominente Theatermann Peter Stein sei im Gespräch. Beide Namen wollte ein Festspiel-Mitarbeiter auf Anfrage nicht bestätigen: "Es gibt Vorlieben von verschiedenen Seiten."

"Sehnsucht nach jemandem, der sich auf die Region und ihre Menschen einzulassen"

In Recklinghausen gebe es nach dem Eklat um Castorf, in dessen erster Saison sich die Zuschauerzahlen um mehr als die Hälfte auf 22000 verringert haben, "eine große Sehnsucht nach jemandem, der bereit ist, sich auf die Region und ihre Menschen einzulassen", hieß es im Festspielhaus. Mit dem Defizit von gut 700 000 Euro aus der vergangenen Spielzeit könne das Festival leben, "aber wenn jetzt noch was passiert, dann laufen wir auf der Rasierklinge". (APA/dpa)

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