Belegschaft rüstet für Abwehrkampf

21. September 2004, 14:06
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Am Dienstag tagt der Zentral­vorstand der Siemens AG in München - Ob der grünes Licht für die Über­nahme der VA Tech gibt, ist fraglich - Indes rüstet sich der Betriebsrat

Wien - Während Bereichs-und Zentralvorstand des Siemens-Konzerns am Dienstag in München beraten, ob die VA Tech so interessant ist, dass ein Übernahmeangebot gelegt wird, rüstet sich die Belegschaft des Linzer Anlagenbaukonzerns für Mitarbeiterversammlungen.

Über die - vorderhand dürftigen - Informationen beraten werden nicht nur die knapp 130 Betriebsräte und 8000 in Österreich beschäftigten VA-Tech-Mitarbeiter, sondern auch jene an den Produktionsstandorten im Ausland, etwa in Schottland, Kanada und Lyon.

Protestmaßnahmen seien noch nicht geplant, lässt der Betriebsrat wissen, zumal noch unklar sei, ob überhaupt ein Angebot komme. Klar ist für Zentralbetriebsratsvorsitzenden Anton Beneder allerdings, dass ein allfälliger Kauf nicht nur für die VA-Tech- Belegschaft bedrohlich wäre, sondern auch für jene von Siemens.

Parallelkapazitäten

Denn man erwerbe mit Elin EBG und der Sparte Energieübertragung und -verteilung (T&D) vor allem "Parallelkapazitäten", die sich Siemens wohl nicht lang leisten werde und daher bereinigt - sprich: abgebaut - werden müssten.

"Siemens ist ein stabiler Kernaktionär, aber leider nicht der für uns passende", sagt Beneder. Hier ginge es nicht um eine Ergänzung, sondern die VA-Tech-Mitarbeiter wären der Schinken bei den Ham und Eggs.

Kritische Siemensianer sehen in einer Übernahme der Elin EBG durch die Siemens-Gruppe in Österreich (an T&D ist den Geheimplänen zufolge Siemens Deutschland interessiert, Industrieanlagenbau - VAI - und Energieerzeugung - Hydro - würden demnach an die Investorengruppe rund um VA-Tech-Aktionär Mirko Kovats gehen, Anm.) überhaupt wenig Synergieeffekte, denn Siemens habe sich aus dem Schaltanlagen- und Gebäudetechnikgeschäft bereits Ende der Neunziger zurückgezogen.

Bleibt die EDV-Tochter AI Informatics, deren Verkauf an Siemens im Jahr 2000 spektakulär gescheitert ist. AII sei sowohl in Märkten als auch in Branchen nahezu deckungsgleich mit Siemens SBS, weshalb ein Kauf nicht sinnvoll wäre, so die Begründung seitens Siemens vor vier Jahren.

Finanzierungplan bereits vorgelegt?

Gerätselt wird indes darüber, ob der Siemens-Bereichsvorstand sein Expansionsprojekt - die ganze VA Tech würde laut aktuellem Börsenkurs gut 900 Mio. Euro kosten, inklusive Verbindlichkeiten sogar 1,3 Mrd. Euro - bereits dem so genannten Investitionsausschuss vorgelegt hat. Erst danach wird der Zentralvorstand damit befasst. In München waren dazu am Montag keine Information zu bekommen.

Offen ist auch, ob die Übernahmekommission die widersprüchlichen Erklärungen von Siemens und Kovats bereits durchblickt. Wie berichtet, hatte Siemens Interesse an Teilaktivitäten der VA Tech gemeldet, Kovats Gespräche mit Siemens über eine Übernahme. Daher sei nicht klar, ob für einen der beiden die Frist für ein öffentliches Angebot bereits laufe, hieß es. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD Printausgabe, 07.09.2004)

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    Noch ist offen, ob Siemens bei der VA Tech tatsächlich einmarschieren wird. Fix ist allerdings, dass die Belegschaft des Anlagenbaukonzerns nachhaltig verunsichert ist, sagen die VA-Tech-Betriebsräte (v. li.) Siegfried Artner, Anton Beneder und Siegfried Tromaier.

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