Vor 55 Millionen Jahren herrschten subtropische Bedingungen in der Arktis

13. September 2004, 11:25
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Forscher haben in der Nähe des Pols in Ablagerungen am Grund des Arktischen Ozeans gebohrt

Bremen - Wissenschaftler der internationalen ACEX-Expedition (Arctic Coring Expedition) haben nun entdeckt, dass der Arktische Ozean vor 55 Mio. Jahren 20 Grad Celsius warm und eisfrei war, berichtet das Forschungszentrum Ozeanränder in Bremen. Die Forscher haben mit drei Eisbrechern in der Nähe des Pols in Ablagerungen am Grund des Arktischen Ozeans gebohrt. Die Arbeiten am Nordpol wurden inzwischen abgeschlossen.

In etwa 390 Metern unter dem Meeresboden fand das internationale Forscherteam aus acht Nationen Überreste winziger Meeresalgen, die an solche subtropische Temperaturen angepasst waren. Auch andere Mikroorganismen im Sediment zeugen von heftigen biologischen Umwälzungen im arktischen Ozean und vom plötzlichen Aussterben vieler Meeresorganismen. Das Projekt ACEX wird von britischen, schwedischen und deutschen Forschungseinrichtungen im Rahmen des Integrierten Ozeanbohr-Programms (IODP) durchgeführt. Seit August sind drei Eisbrecher etwa 250 Kilometer vom Nordpol entfernt im Einsatz, um die 410 Meter mächtigen Ablagerungen am Meeresboden zu durchbohren.

"Offensichtlich war das Klima damals wechselhafter als wir bislang angenommen haben"

Nun ist es den Forschern gelungen, die Sedimente komplett zu durchbohren und das darunter liegende, rund 80 Mio. Jahre alte Gestein des Lomonossow-Rückens zu erreichen. Dieser 1.500 Kilometer lange untermeerische Gebirgsrücken war einst Teil des eurasischen Kontinents. "Vor 55 Mio. Jahren, an der erdgeschichtlichen Grenze von Paläozän und Eozän, herrschten auf der Erde extreme Treibhausbedingungen, auch in der Arktis, wie wir jetzt wissen," so Expeditionsleiter Jan Backmann von der Universität Stockholm. Auf der Basis der vorläufigen Befunde müsse die frühe Geschichte des Arktischen Beckens ganz neu bewertet werden. "Offensichtlich war das Klima damals wechselhafter als wir bislang angenommen haben", so der Experte.

Bisher konnten an Bord der Eisbrecher nur wenige Sedimentproben untersucht werden. Anfang November werden sich daher weitere ACEX-Wissenschaftler in Bremen treffen, um das arktische Klimapuzzle vollständig zu entschlüsseln. Die Wissenschaftler sprechen schon jetzt von einer kleinen Sensation, denn es finden sich Anzeichen dafür, dass es vor 55 Mio. Jahren ein Massensterben im Ozean gegeben hat. (pte)

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