Appell für Türkei-Beitritt

7. September 2004, 19:09
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Politikergruppe um Ahtisaari sieht Ängste als "übertrieben"

Politische Treffen, ein Besuch im Kurdengebiet - Erweiterungskommissar Günter Verheugen tourt durch die Türkei, um letzte Fakten für den Bericht über den EU-Beitritt der Türkei zu sammeln. Der Bericht kommt im Oktober, im Dezember soll entschieden werden, wehrte sich Verheugen gegen eine Verschiebung. Vor allem fordert Verheugen mehr Rechte für die kurdische Minderheit, im Bereich des Unterrichts und auch beim Rundfunk in kurdischer Sprache müsse einiges getan werden. Was bis jetzt geschehen ist, könne nur ein Anfang sein.

Ein anderer Türkei-Bericht ist fertig: Eine Politikergruppe unter Vorsitz des finnischen Expremiers Martti Ahtisaari warb Montag in Brüssel dafür, rasch Beitrittsgespräche zu beginnen. Probleme sieht die Gruppe nicht, nur "Herausforderungen": So sei Religion kein Kriterium und die EU kein Christenklub. Die Migration werde nicht so groß ausfallen, außerdem brauche die EU eine Million Einwanderer pro Jahr. Mit 100 Millionen Einwohnern werde die Türkei bis 2050 das größte Mitgliedsland sein, das sei aber "bewältigbar". Und die Kosten seien "beträchtlich" - andererseits wachse die türkische Wirtschaft dynamisch.

Nicht zuletzt sei die Türkei ein wichtiger außenpolitischer Partner. Albert Rohan, Exgeneralsekretär im Außenamt und Berichterstatter der Gruppe, fasst den Bericht so zusammen: "Ängste über die Folgen eines Türkei-Beitritts sind maßlos übertrieben." (APA/Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2004)

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