"Schulen sind strengst reglementiert", sagt Leiterin des Wiener Gymnasiums Rahlgasse

17. September 2004, 12:10
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Heidi Schrodt im STANDARD-Interview über zu viel Schulbürokratie, zu wenig Gestaltungsspielraum und antihierarchische Affekte der Lehrer

STANDARD: Wer regiert aus Ihrer Sicht die Schulen?

Schrodt: Ich würde am liebsten sagen, die Direktorin, der Direktor. Das stimmt nur nicht. Regieren ist überhaupt ein schlechtes Wort für die Schule. Ich sehe mich als Gestalterin. Aber im internationalen Vergleich haben wir in Österreich einen relativ kleinen Gestaltungsspielraum.

STANDARD: Was dürfen Schuldirektoren im Ausland mehr?

Schrodt: Viel mehr. In vielen Ländern können die Direktoren Lehrpersonal selbst auswählen. Das finde ich ganz wichtig. Generell sind unsere Schulen nach wie vor strengst reglementiert.

STANDARD: Sie würden gern selbst Lehrer aussuchen?

Schrodt: Das würde ich mir wirklich wünschen. Nicht ich alleine, es müsste eine Art Personalrat in der Schule geben. Immerhin bin ich für 70 Lehrer zuständig, das ist eine mittelgroße Firma.

STANDARD: Es heißt, in den Schulen gibt es einen antihierarchischen Affekt.

Schrodt: Ja, unter den Lehrkräften ganz stark. Dieser Gleichheitsmythos - Wir sind alle gleich - ist wirklich ein großes Problem. Das hängt stark mit der Schulorganisation zusammen: ganz zentralistisch ausgerichtet und ganz flache Strukturen an den einzelnen Schulen. Führungsstrukturen fehlen.

STANDARD: Wie würden Sie Überverwaltung abbauen?

Schrodt: Schlankes Ministerium und Bildungsregionen. So spart man sich Bezirks-und Landesschulräte. Die nördlichen Bezirke Wiens könnten mit dem niederösterreichischen Umland eine Bildungsregion bilden. Man definiert den Bedarf an Schulen, weist der Region einen Pool an Lehrkräften zu und die Schulen suchen sich dann ihre Lehrer aus. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2004)

Zur Person

Heidi Schrodt (54), seit 1992 Direktorin, Mitautorin des Bildungsmanifests.

Mit Heidi Schrodt sprach Lisa Nimmervoll.

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Gymnasium Rahlgasse

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