Schwarzes Schulkartell mit roten Restposten

17. September 2004, 12:10
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Die politische Farbe Schwarz dominiert in Niederösterreichs Schuldirektionen - Trotz "objektivierender" Auswahlverfahren kämen bei drei Viertel aller Posten VP-nahe Kandidaten zum Zug, klagen Kritiker - "Reines Gefasel", meint dazu der Landesschulrat

St. Pölten - Das Geschiebe um die Volksschulleitung in Marbach (Bezirk Melk) verursachte andernorts Dellen: Im Februar 2004 wurde die Volksschulleiterin von Persenbeug überraschend zur Bezirksschulinspektorin in Gmünd ernannt.

Marbacher Rochaden

Die Persenbeugerin hatte ihren Posten für eine der zwei Marbacher Bewerberinnen freimachen müssen. Für jene, die beim Objektivierungsverfahren schlechter als ihre Konkurrentin abgeschnitten hatte. Die Landeslehrerkommission hatte ihr dennoch den Marbacher Leiterposten zuerkannt; weil sie - so Niederösterreichs Grünen-Bildungssprecher Emmerich Weiderbauer - "VP-nahe ist".

Ihre SP-nahe Gegenkandidatin legte daraufhin Einspruch ein. Nach eineinhalb Jahren bekam sie Recht - und den Leiterinnenposten doch noch zuerkannt: Ihre Konkurrentin - so Weiderbauer - habe "versorgt werden müssen".

Die Marbacher Rochaden seien "typisch für das System Niederösterreich", meint der Grüne. Bei "drei Viertel aller Bestellungen" - sei es in Pflicht- oder Bundesschulen - kämen Kandidaten" zum Zug, die von VP-nahen Personalvertretern vorgeschlagen würden. Der Rest der Posten bleibe der SP. Grüne und Parteilose hätten "überhaupt keine Chance". Wie zum Beweis fallen einem SP-Insider auf Anhieb jene fünf AHS im Lande ein "die von unseren Leuten geleitet werden".

"Beinharte Rechtsentscheidungen"

"Das sind Mutmaßungen - reines Gefasel": Der amtsführende Landesschulrat Adolf Stricker widerspricht dem Vorwurf parteipolitischer Besetzungspolitik vehement. Vielmehr handle es sich bei Bestellungen um "beinharte Rechtsentscheidungen". Gegen die könne berufen werden - "wie man im Fall Marbach sieht".

Teil des niederösterreichischen Auswahlverfahrens ist ein von der Unternehmensberatung Wentner & Havranek durchgeführtes Hearing, das Managementfähigkeiten abtesten soll. Bei diesem hatte der einzige - VP-nahe - Direktorenkandidat für das Polytechnikum in Mank bei Melk mit "nicht geeignet" abgeschnitten.

Laut interner Regeln schließt dieses Ergebnis Kandidaten von Posten aus - in Mank geschah das Gegenteil. Vergangenen Mittwoch wurde der Mann von der Landeslehrerernennungskommission zum Direktor bestellt. Stricker dazu: "Gegen diese Entscheidung kann binnen vier Jahren Einspruch erhoben werden." (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2004)

Grafik: STANDARD

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