FMA: Lejsek könnte Grünbichler folgen

21. September 2004, 14:32
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Während die Neu­besetzung für den Chef­sessel der Finanz­markt­aufsicht auf dem Weg ist, schäumen die Beauf­sichtigten wegen der Mindest­standards für Kredit­vergaben

Wien - Das Procedere für die Neubesetzung des Chefsessels in der Finanzmarktaufsicht (FMA) ist auf Schiene. Am Montag hat der FMA-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Alfred Lejsek die nochmalige Ausschreibung des Chefpostens beschlossen.

Wie berichtet, scheidet FMA-Vorstand Andreas Grünbichler überraschenderweise aus der FMA aus. Der 40-jährige Exprofessor der Uni St. Gallen wirkt künftig wieder in der Schweiz. Und zwar im erweiterten Vorstand der Zurich Financial Services, von wo aus er sich ums Risikomanagement des Konzerns kümmern wird.

Zurich Financial ist mit fast 50 Mrd. Dollar Prämienvolumen einer der zehn größten Versicherungskonzerne der Welt; Mutter etwa der Zürich Versicherungen AG (ehem. Zürich Kosmos und Winterthur).

Pribil bleibt

Der zweite FMA-Vorstand, der VP-nahe Exnotenbanker Kurt Pribil, bleibt. Sein Vertrag wurde um fünf Jahre verlängert; angeblich wurde das Salär für die FMA-Vorstandsmitglieder der kommenden Amtsperiode von rund 170.000 auf 190.000 Euro im Jahr angehoben.

FMA-Präsident Lejsek - er ist Chef der Abteilung Finanzmärkte und Finanzmarktaufsicht im Finanzministerium - dankte Grünbichler am Montag für "seine Leistungen beim Aufbau der neuen integrierten Aufsichtsbehörde".

Das Zeugnis mancher Beaufsichtigter (die FMA kontrolliert neben den Banken auch noch Versicherungen, Pensionskassen und das Wertpapiergeschäft; gemeinsam finanzieren sie die 2001 gegründete FMA zu rund 85 Prozent) fällt weniger positiv aus.

Beaufsichtigte auf den Barrikaden

Die weisungsunabhängige Behörde habe zu viel der Zähne gezeigt, meinen zumindest Raiffeisen- und Sparkassenbanker. Am härtesten kritisieren sie Grünbichler, als Kurzzeitvorstand in der Steiermärkischen Sparkasse mit mäßigem Erfolg gesegnet, wegen des Entwurfs zu den Mindeststandards für das Kreditgeschäft.

Sie legen fest, dass Institute so organisiert sein müssen, dass der, der einen Kredit verkauft, ein anderer ist als jener, der das Risiko daraus bemisst und kontrolliert. "Diese Standards haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Mit solchen Vorgaben, die auch die EU nicht verlangt, hat die FMA ihre Kompetenzen überschritten. Das ist nicht unser Verständnis von der Aufgabenstellung der Aufsicht", schäumt Michael Ikrath, Generalsekretär des Sparkassenverbands, der auch die Interessen vieler kleiner Institute am flachen Land vertritt. Ihnen nähme die FMA "ihre Schnelligkeit und Stärke am Markt". Auch daran sehe man, dass die FMA "lauter Theoretiker" beschäftige.

"Direkten Eingriff"

Während Bank-Burgenland-Chef und Ex-Erste-Bank-Vorstand Wolfgang Ulrich die Mindeststandards als taugliche Prophylaxe gegen Kreditpleiten lobt, hält Ikrath sie schlichtweg füf "einen direkten Eingriff in die Tätigkeit der Bankvorstände, in denen die FMA wie ein Übervorstand drinnen sitzt."

Seine Forderung: FMA-Chef Pribil solle die Mindeststandards "bis Basel II auf Eis legen und mit uns in einen vertiefenden Diskurs eintreten". So könne die FMA "ein Zeichen für ihren guten Willen setzen". Pflegeleicht soll auch der Neue sein, interpretiert man Ikraths Besetzungswunsch realistisch. Sein idealer FMA-Kandidat: "Ein profunder Praktiker mit Dialogbereitschaft."

Ob es das Wunschkonzert spielen wird, ist ungewiss. Der Finanzminister hat das Nominierungsrecht und sein Abteilungsleiter Lejsek angeblich Appetit auf den FMA-Chefposten. (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 07.09.2004)

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    Kümmert sich in Zukunft um das Risikomanagement der Zurich Financial Services: Noch-FMA-Vostand Andreas Grünbichler

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