Spike Lee läßt Drei-Dollar-Noten regnen

6. September 2004, 19:14
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"Alle meine Filme sind politisch", kommentierte der Regisseur den Vorspann seines neuen Films, in dem die Geldscheine ein Bush-Konterfei ziert

Venedig - Starregisseur Spike Lee (47) hat beim Festival von Venedig für Erheiterung gesorgt - mit dem Vorspann zu seinem neuen Film "She Hate Me". Zum Beginn des Streifens mit Kerry Washington, Dania Ramirez und Monica Bellucci flattern dutzendweise Dollarnoten über die Leinwand - zuletzt eine Drei-Dollar-Schein mit dem Bild von Präsident Bush, samt obligater Unterschrift "In God we trust". Das Publikum am Lido raste über den Gag. "Alle meine Filme sind politisch", sagte Lee, der sich vor Journalisten ausführlich über die US-Wahlen ausließ: "Kerry könnte gewinnen, aber es steht auf des Messers Schneide."

"Mein Film handelt über Sex, Gier, Geld und Politik"

"Mein Film handelt über Sex, Gier, Geld und Politik. Es geht auch um die amerikanische Heuchelei beim Thema Sex." Zugleich präsentiert der Regisseur eine Kommödie reinsten Wassers: Einem jungen und attraktiven Manager, just gefeuert und mittellos, eröffnen sich ungeahnte Einkommensquellen. Seine Ex-Freundin plus ihre neue Lebenspartnerin möchten, dass er ihnen gegen reichlich Bargeld zur Mutterschaft verhilft. Da die Sache zur Befriedigung aller verläuft, organisiert die rührige Ex ein florierendes Geschäft. Reihenweise sprechen ihre lesbischen Freundinnen beim virilen Ex-Manager vor - die Ex behält zehn Prozent der Einnahmen.

Fragen der Moral

"Ich spreche auch Fragen der Moral an", betonte Lee. "Es gibt ein Gefühl in Amerika, dass Menschen für Geld alles tun." Mit Blick auf den US-Wahlkampf meinte er sicherlich auch das politisch. Trotz allem: Die Anstrengungen des virilen Managers provozierten bei Kritikern und Publikum am Lido Lachsalven wie bisher kein anderer Film. "Was für ein Albtraum, mit so vielen Frauen Sex zu haben", lautete Lees lakonischer Kommentar.

Auch Roehler zufrieden mit Reaktionen auf seine neue Arbeit

Auch der deutsche Regisseur Oskar Roehler (45) äußerte sich zufrieden über die Reaktionen auf seinen neuen Film "Agnes und seine Brüder". "Der Saal war voll besetzt und die Leute waren am Schluss wahnsinnig gerührt", resümierte Roehler ("Der alte Affe Angst", "Die Unberührbare"). Geradezu überrascht sei er über die positive Reaktion. "Ich weiß nicht, wer für mich Werbung gemacht hat." Der Streifen erzählt, ebenfalls mit viel Humor, "das Leiden dreier Brüder an ihrer Familiengeschichte". Hans-Jörg (Moritz Bleibtreu), ein kleiner Bibliothekar, ist sexsüchtig und kommt mit Frauen nicht klar. Werner (Herbert Knaup) ist zwar als Politiker erfolgreich, doch mit Ehefrau (Katja Rieman) liefert er sich eine nervige Dauerschlacht. Und der dritte Bruder ist jetzt eine Frau und tanzt in Tuntenkleidern in Nachtbars. "Standardsituation des deutschen Zusammenlebens", nennt das Roehler. Ob Komödie oder Tragikomödie, konnte Roehler zunächst nicht sagen. Fest stehe: "Es ist lustig Leuten zuzusehen, die in peinliche Situationen geraten." (APA/dpa)

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    Lee zu den US-Wahlen: "Kerry könnte gewinnen, aber es steht auf des Messers Schneide."

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