Großprojekt der EU von Wien aus koordiniert

10. September 2004, 17:38
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Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie für "Das Epigenom" zuständig

Wien - Das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien koordiniert ein weiteres Großprojekt im sechsten Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission. Es handelt sich dabei um ein "Exzellenznetz" von 25 führenden Forschern, die sich mit der so genannten Epigenetik beschäftigen. Dies teilte das Institut in einer Aussendung mit.

Der Name des Programmes lautet "Das Epigenom". Die Initiative wird von der EU im sechsten Forschungsrahmenprogramm (FP6) mit 12,5 Millionen Euro gefördert. In den kommenden fünf Jahren soll damit eine einheitliche Plattform für die europäische epigenetische Forschung geschaffen werden. Thomas Jenuwein, Senior Scientist am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP), koordiniert das Großprojekt mit Unterstützung von Genevieve Almouzni (Institut Curie, Paris) und Philip Avner (Institut Pasteur, Paris).

Zum Begriff

Dahinter steckt die - auch durch zahlreiche Studien am IMP - in den vergangenen Jahren gewonnene Erkenntnis, dass Organismen mehr als die Summe ihrer Gene sind. Epigenetik bedeutet, wörtlich übersetzt, "jenseits konventioneller Genetik". Während die Genetik sich mit Funktionen der DNA beschäftigt, die eine direkte Folge ihrer Struktur sind, behandelt die Epigenetik alle Vorgänge, die sich jenseits dieser Grundprinzipien vollziehen und dazu führen, dass die in einem Gen festgelegte Information auch umgesetzt oder still gelegt wird.

Epigenetische Veränderungen sind unabhängig vom genetischen Code, können aber dennoch an die Nachkommen weitergegeben werden. Mit dieser Erkenntnis erschütterte die Epigenetik die jahrzehntealte Überzeugung, dass die Sequenz der DNA die ausschließliche Quelle vererbbarer Information sei. Dabei stellen offenbar Markierungen der Erbsubstanz und ihre Verpackung auf Histon-Kügelchen ein eigenes Informationssystem dar. Es bestimmt auch, welche Teile der Erbsubstanz abgelesen werden. Von manchen Wissenschaftern als "Histon-Code" bezeichnet, definieren sie, welche Gene in einer Zelle aktiv und welche stillgelegt sind.

"Virtuelles Zentrum"

Die Markierungen sind mit einem Index-System vergleichbar, welches das Gedächtnis einer Zelle für ihre eigene Identität darstellt. Versagt dieses epigenetische Gedächtnis, kann das schwerwiegende Folgen für den gesamten Organismus haben. Die Auswirkungen epigenetischer Forschung sind weit reichend und betreffen unter anderem die Stammzellbiologie, das Verständnis von Krebs und von Alterungsprozessen.

Das Projekt, das vom IMP koordiniert wird, soll die wichtigsten europäischen Wissenschafter auf diesem Gebiet zu einem "virtuellen Zentrum" zusammen bringen. Es wird zunächst 25 Forschergruppen aus acht Ländern umfassen und soll noch weiter ausgebaut werden. (APA)

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