Neuanfang am Kaspischen Meer

8. September 2004, 22:22
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Verpolitisierung und Korruption prägten den Fußballalltag in Aserbaidschan, der Spielbetrieb der Liga lag über ein Jahr still

Wien - Kaum ein Land ist an Größe und Einwohnerzahl Österreich so ähnlich wie Aserbaidschan. Mit 86.600 Quadratkilometern (Österreich: 83.858) und rund acht Mio. Einwohnern hat die Republik am Kaspischen Meer ähnliche Dimensionen, doch damit hat es sich mit den Parallelen.

Wie in Politik und Wirtschaft spielt das Ölgeschäft auch im Fußball seit jeher eine dominante Rolle. Neftschi Baku, der Nachfolgeklub von Neftjanik ("Erdölarbeiter"), war der einzige Verein der damaligen aserbaidschanischen Sowjetrepublik, der in der höchsten Liga der UdSSR mit von der Partie war und 1966 sogar Platz drei erreichte. Der Klub aus der Hauptstadt ist unverändert der erfolgreichste und populärste des Landes. Klubchef und Öl-Tycoon Ramiz Mirzajew wurde im letzten Jahr zum Präsidenten des nationalen Verbandes ("Azärbaycan Futbol Federasiyalari Assosiasiyasi - AFFA) befördert.

Politisierte Liga

Das Geschehen in der 1991 gegründete Liga ist gekennzeichnet durch Machtkämpfe und Korruption. Der Modus wurde zwischen 1992 und 1999 nicht weniger als sechs Mal geändert, die Titelentscheidung 1996/97 ging als eine der kuriosesten in die Annalen ein. Neftschi lag am Schluss zwar vorn, zum Meister wurde jedoch Karabach Agdam erklärt, der Verband hatte flugs die Ergebnisse der U16- und U15-Meisterschaft zu jener der Kampfmannschaft addiert. Der UEFA war dieses Zähl-System allerdings nicht genehm und lud Neftschi zur Champions League-Qualifikation ein.

Im April 2002 brach ein Streit um das Spiel FC Schafa (Baku) gegen FK Khazar aus. Der Schiedsrichter überzog die Nachspielzeit und sprach Schafa einen Elfmeter zu, der zum 1:0-Sieg führte. Die Klubs warfen der AFFA daraufhin Bevorzugung des Vereins aus der Hauptstadt vor. Immerhin wurde Schafa vom Verband gegründet und geführt. Zehn Vereine weigerten sich daraufhin, die Meisterschaft zu Ende zu spielen und an der kommenden Teil zu nehmen.

Internationale Isolation

Anfang des Jahres 2003 zogen UEFA und FIFA schließlich die Notbremse und suspendierten Aserbaidschan auf unbestimmte Zeit. Unter dem Druck der internationalen Verbände wurde schließlich eine neue Liga organisiert, und nach rund 400 Tagen Pause der Spielbetrieb wieder aufgenommen. Doch auch der Neustart verlief alles andere als reibunglos. So wurde etwa der Aufstieg des FC Adlijje von Verbandsseite angeordnet, weil dort einige Nachwuchs-Internationale engagiert waren. Schließlich brachte man die Spielzeit aber über die Bühne und Aserbaidschan wurde wieder zum internationalen Spielbetrieb zugelassen. (APA/rob)

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