Interdisziplinäre Zusammenarbeit bringt den Erfolg

6. September 2004, 12:04
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Präsident Sutherland zieht Bilanz

Wien - Die Transplantationsmedizin, das ist in der modernen Welt eine Erfolgsstory ersten Ranges. Standen ehemals die chirurgischen Techniken im Vordergrund, kann heute nur die Zusammenarbeit der verschiedensten medizinischen Fachrichtungen den Erfolg gewährleisten und für Fortschritte sorgen, erklärte der Präsident der Transplantation Society, Dr. David E. R. Sutherland.

Sutherland ist einer der Pioniere der Pankreas-Transplantationen (Bauchspeicheldrüse), die vor allem Typ 1-Diabetikern helfen können. Ob Transplantation der gesamten Bauchspeicheldrüse (meist zusammen mit einer Niere) oder neuerdings die Transplantation von Insulin-produzierenden Inselzellen (Beta-Zellen), immer hat die Kooperation von Chirurgen, Internisten, Immunologen und vielen anderen Experten die Entwicklung voran getrieben.

"Unsere Gesellschaft hat in der Vergangenheit eine immense gegenseitige Befruchtung von Grundlagenforschung und klinischer Medizin bewirkt. Sie ist eines jener großen Beispiele dafür, wie Multidisziplinarität den Fortschritt erleichtert. Ich war privilegiert, Jahrzehnte Enthusiasmus in meinem Fachgebiet selbst zu erleben, aber auch eine Zusammenarbeit über Fachgebiete und Generationen hinweg", stellte Sutherland aus Anlass des Kongresses fest.

Erfolgreiche Methode

Der Wissenschafter hat an der Universität von Minneapolis (US-Bundesstaat Minnesota) viele Jahre lang auf dem Gebiet der Pankreas-Transplantation Pionierleistungen erbracht. Diese Eingriffe verhelfen Typ 1-Diabetikern ("juveniler Diabetes") wieder zu einer körpereigenen Insulinproduktion.

Die Erfolgsraten sind hoch: Die Überlebensrate (ein Jahr nach dem Eingriff) bei rund 95 Prozent. Etwa 80 Prozent der Diabetiker, die eine "neue" Bauchspeicheldrüse bekommen haben, können nach einem Jahr noch immer auf die sonst lebensnotwendigen Insulin-Injektionen verzichten.

Ein Vorteil: Die durch eine Pankreas-Transplantation wieder "normale" Insulinversorgung kann auch zu einer Rückbildung von Spätschäden durch die Zuckerkrankheit führen. So berichtete im Jahr 1998 ein US-Wissenschafterteam, in dem auch Kongresspräsident David Sutherland mitarbeitete, dass bei Diabetikern sich die bereits vor der Operation festgestellten Nierenschäden nach der Transplantation zurückbildeten.

Inselzell-Transplantationen

Ein anderes Kapitel sind die Inselzell-Transplantationen. Hier sorgten in den vergangenen Jahren Spezialisten von der Universität des US-Bundesstaates Alberta mit ihrem "Edmonton Protokoll" für Aufsehen. Dabei werden Spender-Pankreata so aufgearbeitet, dass aus ihnen die Insulin-produzierenden Beta-Zellen gewonnen werden können. Die Empfänger erhalten sie schließlich per Infusion in die Leber und sollen dort die Insulinproduktion in Gang bringen. Allerdings sind hier die Erfolgsraten derzeit noch niedriger.

Fachleute sprechen davon, dass längerfristig etwa 30 Prozent der Behandelten nicht mehr auf exogenes Insulin angewiesen sind. Dr. James Shapiro (Edmonton) berichtete erst vor kurzem von einer Phase I/II-Studie, wonach etwa die Hälfte der Behandelten schließlich auf die Insulin-Injektionen verzichten konnten. (APA)

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