UNO-Gesandter Pronk: Zeit für Sanktionen noch nicht gekommen

9. September 2004, 11:49
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Entsendung von Beobachtern gefordert - Berichte über weitere Vertreibungen in Darfur - "Anhaltende Unsicherheit"

Oslo - Die Zeit für internationale Sanktionen gegen den Sudan wegen der Krise in Darfur ist nach den Worten des UNO-Sondergesandten Jan Pronk noch nicht gekommen. Strafmaßnahmen müssten "als letztes Mittel" zur Einflussnahme auf die Regierung in Khartum gesehen werden, sagte Pronk am Montag in Oslo. Der Sondergesandte sprach sich stattdessen für die Entsendung internationaler Beobachter in die Krisenregion aus.

Beobachter

Eine "ausreichende Zahl" von afrikanischen oder anderen ausländischen Beobachtern "mit einem guten Mandat und großer logistischer Unterstützung" sei die beste Möglichkeit, die Zivilbevölkerung in Darfur vor den arabischen Reitermilizen der Janjaweed zu schützen.

AU-Soldaten schützen Beobachter

Derzeit halten sich 120 Beobachter der Afrikanischen Union (AU) in der Region auf. Sie werden von 300 AU-Soldaten geschützt. UNO-Generalsekretär Kofi Annan setzt sich für die Entsendung tausender zusätzlicher Beobachter ein. Khartum hat sich bereit erklärt, dies zuzulassen, solange es sich um eine reine Beobachtermission und nicht um eine Schutztruppe handelt.

Anhaltende Kämpfe

Unterdessen gehen die Vereinten Nationen Berichten nach, die auf anhaltende Kämpfe in der Krisenregion Darfur im Sudan und die Vertreibung von bis zu 4.000 Menschen in den vergangenen Tagen hindeuten. UNO-Sprecherin Radhia Achouri sagte der Nachrichtenagentur AP: "Wir bekommen weiter Berichte über eine anhaltende Unsicherheit, die zu weiteren Vertreibungen geführt hat."

Rund 3.000 bis 4.000 Menschen seien betroffen. Die Kämpfe in Darfur haben nach Angaben der UN zur derzeit größten humanitären Krise auf der Welt geführt. Die USA und auch viele europäische Regierungen wollen Sanktionen gegen die Regierung in Khartum verhängen, weil sie nicht oder nicht entschlossen genug gegen die marodierenden Janjaweed-Milizen vorgeht.

UN-Ultimatum abgelaufen

Diese arabischstämmige Gruppen greifen dort die schwarze Bevölkerung an. In den vergangenen 19 Monaten wurden dabei schätzungsweise 50.000 Menschen getötet und eine Million zu Flüchtlingen gemacht.

Ein UNO-Ultimatum gegen den Sudan zur Entwaffnung der Miliz war vor knapp einer Woche abgelaufen. Friedensgespräche zwischen den Rebellen und der Regierung stocken derzeit. Die EU-Außenminister hatten am Samstag eine Liste von möglichen Sanktionen gegen den Sudan in Auftrag gegeben. (APA/AP)

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    Flüchtlingsfrauen in West-Darfur. Wenn sie das Lager verlassen, um Brennholz zu sammeln, gehen sie das Risiko ein, von arabischen Milizionären vergewaltigt zu werden.

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