Prüfen im Zwei-Minuten-Takt

13. September 2004, 11:47
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Forschungszentrum analysiert Werkzeugverschleiß in Industrie

Ein Netzwerk aus Vorarlberger Industriebetrieben sagt frühzeitigem Verschleiß und damit verbundenen Produktionsausfällen den Kampf an. Mit dem neuen Kompetenzzentrum VResearch Center for Tribotronics and Technical Logistics (Wissen), verwaltet von der Prisma Regional- und Standortentwicklung, sollen neue Oberflächen sowie Mess-und Kontrollmethoden zur Reduktion von Verschleiß entwickelt und intelligente Systeme zur Optimierung logistischer Prozesse erforscht werden. Geschäftsführer Vaheh Khachatouri: "Wir setzen uns mit globalen Trends und technologischen Entwicklungen auseinander, haben dabei aber immer die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft im Auge."

Eines der ersten Forschungsprojekte mit der Industrie ist die Suche nach Messmethoden und Beurteilungsmodellen für verschleißende optische Mikrostrukturen. Das Forschungsprojekt wird in Partnerschaft mit dem Lichtspezialisten Zumtobel Staff durchgeführt. Zumtobel Staff braucht Kontrollsysteme, die Produktionsfehler verhindern. Hauptverursacher von Mängeln sind Werkzeuge, deren Verschleiß nicht rechtzeitig erkannt wird.

Günther Sejkora, Leiter der Technologieabteilung: "Wir wollen frühzeitig erkennen, wann ein Werkzeug ausgewechselt werden muss. Wenn einige Tausend Leuchten mit Fehlern ausgeliefert wurden, ist es zu spät." Mit neuen Messmethoden sollen Abweichungen - im konkreten Fall Oberflächenbeschädigungen der im Spritzgussverfahren erzeugten Kunststoffabdeckungen - sofort entdeckt werden.

Noch wird bei der Qualitätskontrolle auf das menschliche Auge gesetzt. Jedes Teil, das im Zwei-Minuten-Takt produziert wird, muss einem visuellen Test unterzogen werden. Sejkora: "Eine Arbeit, die höchste Ansprüche stellt, aber schnell erledigt sein muss."

Mit elektronischer Bilddatenbearbeitung sollen nun die Mikrostrukturplatten auf Fehler in der Oberfläche untersucht werden. Günther Sejkora: "Wir wollen innerhalb von zwei Minuten eine Vollkontrolle der gesamten Oberfläche, die aus 40.000 kleinsten Pyramiden besteht, erreichen." Vaheh Khachatouri über das Verfahren: "Aufgrund der benötigten Auflösung und der kurzen Zeitdauer, die für die Inspektion eines Werkstückes zur Verfügung steht, werden wir auf optische Methoden in Kombination mit Feature-basierter Mustererkennung setzen."

Als wissenschaftliches Ziel des Projektes nennt Khachatouri "die Entwicklung eines Klassifikationsverfahrens für großflächige strukturierte und texturierte Oberflächen mit typischen Abweichungen im Mikrometerbereich".

Das Forschungsprojekt wird voraussichtlich im Mai 2005 abgeschlossen sein. Für Zumtobel Staff soll es die Basis für weitere Produktentwicklungen schaffen. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 9. 2004)

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