Isoliert statt radikal innovativ

13. September 2004, 11:47
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Language of Networks: Eine Konferenz über Netzwerkanalysen

"Wir leben in einem Universum von Beziehungen, und Beziehungen gleich welcher Art lassen sich als Netzwerke analysieren und visualisieren." Mit dieser Beschreibung der Social Network Analysis eröffnete Harald Katzmair, Direktor der außeruniversitären Forschungseinrichtung FAS.research, die von ihm mitorganisierte Konferenz Language of Networks (1. und 2. September). Auch im einleitenden Round-Table-Gespräch mit dem Titel "How innovations happen" wurde das Synergiepotenzial der Netzwerkforschung von Vertretern aus Forschung, Kunst, Industrie und Verwaltung euphorisch besprochen. Anhand eines Diagramms, das die Austauschbeziehungen der unterschiedlichen Wissenschaften in Österreich visualisierte, erläuterte Katzmair dann Theorie und Praxis. Wenig überraschend zeigte das Diagramm, dass die Geisteswissenschaften mit den Naturwissenschaften kaum vernetzt sind. Darin würde sich zeigen, dass in Österreich die Isolation der Disziplinen zu lange gefördert wurde, was das Entstehen einer "radikal innovativen Szene" verhindert habe, hieß es.

Davon ausgehend, dass erst in der Rekombination Neues entstehen könne, unterstützt die Social Network Analysis die Reorganisation innovationsfeindlicher Strukturen, indem sie mit deren Visualisierung die harten Fakten sprechen lässt: Indem die Komplexität der Daten reduziert wird, treten die Schwachstellen von Systemen augenscheinlich zutage. Für Andreas Penk, Geschäftsführer des Pharmakonzerns Pfizer in Österreich, liegt das Potenzial noch woanders begründet: nämlich in der Ermittlung der so genannten Key-Player, jener Personen und Gruppen, die die Kommunikation dominieren.

Mehr Effizienz

Von der effizienzsteigernden Wirkung der Netzwerkforschung sind Günther Bonn und Christa Sommerer überzeugt: Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Rates für Forschung- und Techno- logieentwicklung hat der Vernetzungsgedanke "forschungspolitische Priorität", weil er Innovationen forciere, und die Medienforscherin und Künstlerin betont nicht nur die Rolle der Kunst in der Entwicklung von visuellen Lösungsansätzen, sondern auch die Ausweitung des Berufsfeldes, die die Netzwerkforschung für Künstler bedeute. Dass mit dem Wissen um den Verlauf der Datenströme Marketing, Vertrieb, Lobbying und PR auf völlig neue Fundamente gestellt werden können, blieb unbestritten. Aber während die Diagramme und Algorithmen zunächst als Vermittler von unumstößlichen Wahrheiten präsentiert wurden, betonte Lothar Krempel, Mitarbeiter am Max-Planck-Institut in Köln, in seinem Einführungsvortrag die Unausgereiftheit der Disziplin: "Wir haben erst begonnen, das riesige Potenzial dieser neuen Formen der Kommunikation zu erforschen. Wie man dies am besten tun soll, ist nun die Frage, die sich stellt."

Während der Wahlspruch der uneingeschränkten Befürworter "You can't find a new land with an old map" (Katzmair) lautet, zitiert ein skeptischer Zuhörer Michel Foucault: "First we map the land, then we occupy it." (Christa Benzer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 9. 2004)

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