Interview: Information auf Nummer sicher

13. September 2004, 11:47
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Daten sollen - den richtigen Personen - zugänglich bleiben, auch wenn sich die Bestimmungen ändern: Über Projekte am Software Competence Center Hagenberg (SCCH) sprach die Wirtschaftsinformatikerin Dagmar Auer mit Michael Freund

STANDARD: Sie leiten Projekte im Bereich Datenbanktechnologie am SCCH. Was ist Ihre Aufgabe?

Auer: Es geht zumeist darum, wie man Daten und Anwendungen, die in einer Firma oder Institution einen großen Wert haben, langfristig sichern kann. Auch wenn wir neue Softwarearchitekturen entwickeln, achten wir darauf, dass man die einzelnen Bestandteile flexibel zusammenstellen kann. Dass also nicht irgendwelche Insellösungen einzementiert werden. Das gilt erst recht für alte Daten, die man nicht wegschmeißen kann, sondern die zugänglich bleiben müssen, auch wenn sich die Software ändert.

STANDARD: Man hört von dem Problem, wenn zum Beispiel zwei Unternehmen fusionieren: dass neben vielem anderem auch die Hard- und Software nicht zusammenpassen. Wäre das auch ein Fall für Sie?

Auer: Ja, sicher. Solche Unternehmen haben in den letzten Jahrzehnten Datenbestände aufgebaut, die sie jetzt zusammenbringen müssen. Bei einigen unserer Partner - etwa der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse oder der AUVA - geht es noch dazu um sehr sensible Daten wie etwa Krankengeschichten. Durch den Kundenservice, der immer mehr Web-basiert ist, wird der Datenzugriff leichter. Es ist unser Auftrag, hier eine Problemlösung zu schaffen: eine, die die Daten für die berechtigten Personen gezielt und unkompliziert zugänglich macht, die zugleich Sicherheit bietet und Kompatibilität bei geänderten Voraussetzungen.

STANDARD: Ist das im Wesentlichen Programmierarbeit?

Auer: Vor allem konzeptionelle Arbeit. Wir überlegen gemeinsam mit der Partnerfirma, wie man am besten alle relevanten Faktoren berücksichtigen kann. Und dann legen wir die optimale Vorgangsweise fest. Dazu gibt es Strategien, die wir mit Partnerinstituten an der (Linzer) Uni entwickeln. Darauf aufbauend folgt natürlich Programmierarbeit

Das ist ja eine der Funktionen von K-plus-Kompetenzzentren, wie wir eines sind: Schnittstellen zwischen Unis und Wirtschaft zu sein und das, was in der Grundlagenforschung entwickelt wird, für Unternehmen und Institutionen so einsetzbar zu machen, dass deren Risiko minimiert wird.

STANDARD: Gehört da auch dazu, dass Sie beobachten, in welche Richtung sich die Software-Industrie weiterentwickelt? Man kennt das Problem ja als Endverbraucher, dass man mit älteren Programmen nicht mehr arbeiten kann. Wie wird das für Krankenkassen sein, die in zehn Jahren auf ihre Daten zugreifen wollen?

Auer: Natürlich verfolgen wir, was sich tut. Vor allem untersuchen wir, welcher Integrationsmechanismus am besten für welches Unternehmen passt, damit Daten auch langfristig verfügbar sind, und setzen dies optimal um.

STANDARD: Können Sie dabei auch zukünftige Sicherheitsanforderungen berücksichtigen?

Auer: Das Problem ist, dass die Sicherheit oft softwaremäßig festgeschrieben wurde. Die Bestimmungen verändern sich aber mit der Zeit, bedingt durch Änderungen im Gesetz, in den Interna eines Unternehmens etc. Nun muss aber alles, was direkt ins Programm geschrieben worden ist, durch einen Programmierer aufwändig geändert werden. Unser Ziel ist es, so viel wie möglich von diesen Sicherheitsbestimmungen "herauszuziehen" und auf höherer Ebene zu beschreiben. Da gibt es schon einige Modelle, die aber noch nicht ausreichen, für uns gibt es da noch viel zu tun.

STANDARD: An welchen Projekten arbeiten Sie noch?

Auer: Am SCCH arbeiten rund 50 Mitarbeiter, beispielsweise an Projekten im schon angeführten Sozialversicherungsbereich (OÖGKK, AUVA) sowie im Automatisierungs- und Fertigungsbereich mit Industriepartnern wie KEBA, Trodat, Siemens, Voestalpine Stahl, Voith Paper Germany, dem Spritzgussmaschinenhersteller Engel oder im Telekommunikationsbereich mit Comneon, einer Infineon-Tochter. Die Kernaufgabe aber ist in allen Fällen vergleichbar: die Unterstützung unserer Partner bei der Konzeption, Entwicklung, Optimierung und Simulation von Softwaretechnologien. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 9. 2004)

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