Selig besungene Nostalgie

9. September 2004, 22:49
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Die Gala zum 100er der Wiener Volksoper

Wien - Und da waren sie wieder, die goldenen Luster, die weißen Rüschenkleidchen, die roten Samtfauteuils der Chambres séparées, die Pickelhauben auf preußischen Offiziersköppen, die ungarischen Trachtenröckchen, die zu schmissigen Foxtrott-rhythmen hin- und herwogten, als hätten sie nie was anderes getan, und natürlich auch das selig besungene Glaserl Wein...

Die Volksoper wird dieses Jahr 100 - zumindest dem Namen nach, und so beschloss der aktuelle Herr des Hauses, Rudolf Berger, eine Gala auszurichten, um darin die wechselvolle Geschichte der rüstigen Entertainmentgreisin am Währinger Gürtel im Revue passieren zu lassen.

Und Christoph Wagner-Trenkwitz, der Künstlerische Koordinator des Hauses, moderierte den Rückblick in der ihm eigenen, Charme, Eloquenz und Informationsvermittlung wie seit Peter Alexander keiner mehr verbindenden Art und Weise und erzählte solcherart von der ersten Hochphase des Hauses: der 13-jährigen Intendanz von Rainer Simons, der das vormalige "Kaiserjubiläums-Stadttheater", ein Sprechtheater auf "christlich-germanischer Grundlage", in ein erfolgreiches weltoffenes Musiktheater umwandelte, an welchem unter der Stabführung Alexander von Zemlinskys jene feine Formel aus leicht- und schwergewichtiger Muse, aus Alt- und Neugeschaffenem gefunden wurde, welche bis heute jeder Leiter des Hauses mehr oder weniger erfolgreich nachzubasteln versucht.

Betrachtete man die Gala als eine kleine Leistungsschau der Volksoper, so müsste festgestellt werden, dass ihre Stärken zum Einen im Komödiantischen (genial: Gaby Bischof und Ernst-Dieter Suttheimer in einem Oscar-Straus-Duett), in der Operette (proper-patent-professionell: Ulrike Steinsky als Gräfin Mariza) und generell eben in der Vergangenheit (wundervoll: Peter Minich) liegen. Etwas vergilbt das akustische Erscheinungsbild des Volksopernorchesters unter Alfred Eschwé, was aber mit der nostalgischen Note des Abends zusammenklang. (end/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 9. 2004)

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