Wirtschaftsminister Alogoskoufis: "Wir fördern auch den Beitritt der Türkei"

20. September 2004, 12:53
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Georgius Alogoskoufis, Griechenlands Wirtschafts-und Finanzminister, im STANDARD-Interview über die wirtschaftlichen Folgen der Olympischen Spiele und die weiteren Pläne seines Landes

STANDARD: Die Olympischen Spiele waren mit angeblich mehr als zehn Milliarden Euro viel teurer als erwartet. Waren sie das Geld wert?

Alogoskoufis: Wir hatten die Gelegenheit, der Welt Griechenland in einem neuen Licht zu zeigen. Viele dachten, wir wären ein unterentwickeltes Land am Balkan, aber wir haben erfolgreiche und moderne Olympische Spiele organisiert. Jetzt liegt es an uns, die internationale Aufmerksamkeit zu nützen, ausländische Investoren anzulocken, den Tourismus zu fördern und unsere Exporte zu stärken.

STANDARD: Es heißt, dass es nach den Spielen mehr Arbeitslosigkeit in der Athener Region geben wird, weil die Bauprojekte abgeschlossen sind.

Alogoskoufis: Die Bauindustrie darf auf keinen Fall stagnieren, wir wollen die Infrastruktur jetzt auch an der Peripherie Athens entsprechend ausbauen.

STANDARD: Das griechische Budgetdefizit liegt heuer über den von der EU vorgeschriebenen drei Prozent, wie wollen Sie es senken?

Alogoskoufis: Das Budgetdefizit ist ein temporäres Problem, weil wir nächstes Jahr keine Spiele mehr finanzieren müssen, dadurch fällt ein Prozentpunkt des Defizits weg. Außerdem wollen wir ein Prozent des Defizits durch eine Steueramnestie hereinbekommen (jeweils rund 1,5 Mrd. Euro, Anm.) Vor allem müssen wir unser Wachstumspotenzial voll ausschöpfen, besonders im Tourismus. Wir sollten auch vom ausländischen Management-Know-how profitieren, das wir durch die Spiele bekommen haben.

STANDARD: Welche Anreize bietet Griechenland ausländischen Investoren?

Alogoskoufis: Innerhalb der nächsten drei Jahre senken wir unsere Körperschaftssteuer von 35 auf 25 Prozent. Wir vereinfachen das Steuersystem und führen internationale Regeln der Wirtschaftsprüfung ein. Außerdem gibt es ab 2005 ein neues Gesetz zur Förderung von kapitalintensiven Investitionen im Bereich Technologie.

STANDARD: Welche Rolle spielt Griechenland am Balkan?

Alogoskoufis: In den letzten 25 Jahren waren wir in der EU isoliert. Jetzt sind wir ins Zentrum der nächsten Erweiterung gerückt. Wir fördern den EU-Beitritt der neuen Bewerber und auch den der Türkei. Wir wollen dabei helfen, internationale Investoren zu gewinnen um diese Märkte zu entwickeln und die Stabilität in der Region zu fördern.

STANDARD: Würden Sie kleinen Ländern empfehlen, sich für Spiele zu bewerben?

Alogoskoufis: Sofort. Die Spiele sind keine Frage der Größe. Es geht um den Willen, in die Zukunft zu investieren. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.9.2004)

Zur Person

Georgios Alogoskoufis ist seit 1997 der wirtschaftspolitische Sprecher der konservativen Nea Demokratia. Seit März steht er dem Ministerium für Wirtschaft und Finanzen vor. Der 1955 geborene Athener gilt als einer der herausragenden Ökonomen seines Landes.

Das Gespräch führte Nadja Hahn.

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